Sie sind hier: Schwerpunkte > Unterrichtsfächer > Philosophie

Philosophie

 Szenische Aufführung des platonischen Höhlengleichnisses im Jahrgang 11
 "Hot-Seat" zu ethischen Positionen im Jahrgang 12
 Experiment zum Thema 'Epikur' im Jahrgang 12

Nach Aristoteles ist das "sich wundern" (thaumátsein) der Anfang der Philosophie. Es ist die Verwunderung über das scheinbar Selbstverständliche, Alltägliche, über das, was wir gewöhnlich übersehen und als gegeben hinnehmen. Aus der Verwunderung entstehen Fragen, was etwas "eigentlich" ist oder wie es "funktioniert" und was es damit "im Grunde" auf sich hat. Diese Fähigkeit, das Gegebene durch das Denken in Frage zu stellen und nach seinem ‚Wie' und ‚Warum' zu fragen, ist der Kern dessen, was Philosophie bedeutet.
Philosophie bedeutet übersetzt etwa "Liebe zur Weisheit". Es heißt nicht "Weisheitslehre" oder "Unterrichtung in Weisheit", weil die Philosophie nicht behauptet, letzte Antworten auf alle Fragen zu haben, sozusagen die Weisheit selbst, sondern sich bewusst ist, nur dahin unterwegs zu sein, und weil klar ist, dass jede Zeit und jedes Individuum neue Fragen stellt, auf die neue Antworten gesucht werden müssen.

Das Fach Philosophie wird an der Europschule Bornheim in der Sekundarstufe II, also in den Klassen 11-13 unterrichtet. In den Jahrgangsstufen 11 und 12 muss gemäß der Ausbildungsordnung für die Gymnasiale Oberstufe entweder Philosophie oder Religion belegt werden.

 

 

 

 

Übersicht über die Unterrichtsgegenstände der Halbjahre

Jahrgangsstufe 11, 1. Halbjahr: Einführung in die Philosophie

In diesem Kurs geht es um eine Einführung in die Philosophie. Dabei werden Sie Fragen aus verschiedenen Themenbereichen des Faches kennenlernen. Vielleicht werden Sie diskutieren, wem eigentlich der Mond gehört, und von da zu der Frage kommen, wie überhaupt Privatbesitz begründet werden kann (Warum gehört z.B. das Land nicht allen?), oder Sie denken darüber nach, welche Bedeutung der Tod für unser Leben hat. Vielleicht analysieren Sie auch den Film "Matrix" und stellen fest, dass ein gewisser Platon schon vor über 2000 Jahren das Drehbuch dazu verfasst hat. Sie werden weitere bedeutende Philosophen kennenlernen, so z.B. Sokrates oder Immanuel Kant; sie lernen, was es heißt, einen Begriff zu definieren und besprechen den Unterschied zwischen "Meinen" und "Wissen". Am Ende des Kurses werden Sie schon eine gute Vorstellung davon haben, was Philosophie ist.

Jahrgangsstufe 11, 2. Halbjahr: Anthropologie "Was ist der Mensch?"

In diesem Halbjahr versuchen Sie, dem "Geheimnis Mensch" auf die Spur zu kommen. Was macht den Menschen eigentlich zum Menschen, was unterscheidet ihn von den Tieren? Ist es der aufrechte Gang, der Gebrauch von Werkzeug, seine besondere Intelligenz, oder vielleicht die menschliche Sprache? Und: wie ist der Mensch eigentlich "an sich", sozusagen von Natur aus: gut, freundlich, kameradschaftlich, wie der Philosoph Rousseau glaubte, oder vielmehr gemein, rachsüchtig, neidisch, wie andere sagen? Und wenn Rousseau recht hat: wodurch wird der Mensch "schlecht"? Der Kurs "Anthropologie" (=Lehre vom Menschen) beschäftigt sich mit diesen und anderen Fragen.

Jahrgangstufe 12, 1. Halbjahr: Praktische Philosophie "Wie soll ich handeln?"

"Moral predigen ist leicht, Moral begründen schwer." (Kant) In diesem Kurs wird die Frage aufgeworfen, was "richtiges" Handeln ist.
Zweifellos: Versprechen soll man halten. Aber: warum eigentlich? Warum bloß sollten wir Vorschriften befolgen, die uns einengen? Warum sollten wir dem folgen, was Gesellschaft, Eltern, die Freunde oder eine Religion uns sagen? Ist nicht vielleicht vielmehr, wie manche glauben, im Bereich der Moral alles "Meinungssache", also relativ? Auf der anderen Seite: kann es Umstände geben, unter denen z.B. Sklaverei moralisch richtig wäre? Also wäre doch nicht alles erlaubt?
Im Kurs "Praktische Philosophie" versuchen wir, über "moralisch richtig" und "moralisch falsch" systematisch nachzudenken. Dabei wird gefragt, wie moralische Ansprüche begründet werden können.

Am Ende des Kurses steht, den eigenen Standpunkt genauer bestimmt und eine Position entwickelt zu haben, die sich ihrer eigenen Bedingungen bewusst ist.

Jahrgangsstufe 12, 2. Halbjahr: Staatsphilosophie

Der Kurs beschäftigt sich mit der Frage, wie das Zusammenleben der Menschen gerecht und zufriedenstellend geregelt werden kann. Folgende Probleme werden dabei behandelt:

  • Wie lässt sich die Existenz des Staates rechtfertigen? Brauchen wir überhaupt einen Staat?
  • Warum darf "der Staat" uns zwingen (z.B. dazu, die Geburt von Kindern einem Standesamt zu melden, in geschlossenen Ortschaften 50Km/h zu fahren und Steuern zu zahlen)?
  • Wie weit dürfen die Befugnisse des Staates reichen? Gibt es Bereiche, die seinem Zugriff entzogen bleiben müssen, wie z.B. die Menschenrechte -und wie lässt sich dies begründen?
  • Wann habe ich das Recht, mich gegen den Staat und seine Regeln zu wehren? Wie kommt es zu totalitärer Herrschaft, und wie lässt sich Missbrauch von Macht verhindern?
  • Wann ist ein Staat, wann ist eine Gesellschaft fair? Was bedeutet der Begriff "Gerechtigkeit"?

 

Jahrgangsstufe 13, 1. Halbjahr: Erkenntnistheorie "Was können wir wissen?"

PhilosophieAngenommen, Sie wären heute nacht betäubt, entführt und in die Labors eines großen Geheimdienstes gebracht worden; dort hätte man Ihr Gehirn dem Kopf entnommen, in eine Nährlösung gelegt, mit einem künstlichen Blutkreislauf verbunden und in einer endlosen Fisselsarbeit alle Nervenbahnen, die aus Ihrem Gehirn führen, an Computer angeschlossen, die die normalen Signale Ihrer Sinne interaktiv simulieren. Alles, was Sie heute erlebt haben, ist gar nicht wahr, sondern Simulation, einschließlich dieser Website.
Zugegeben, das klingt eher unwahrscheinlich, aber können Sie sicher sein, dass es sich nicht so verhält? Dann könnte aber auch alles, was Sie zu erleben glauben (oder erlebt zu haben glauben), insgesamt gefälscht sein............
Das alles klingt einigermaßen verrückt -und ehrlich gesagt ist es das vielleicht auch- und trotzdem, oder vielleicht gerade darum ist die Frage, was wir überhaupt wissen können, eine der ältesten und hartnäckigsten in der Philosophie, und außerdem eine der spannendsten.

Natürlich bleiben wir bei dem Gedankenexperiment mit den Gehirnen im Tank nicht stehen, sondern wir beschäftigen uns auch damit ...

  • warum wir unseren Sinnen nicht unbedingt trauen können und warum die Welt nicht so sein kann, wie sie uns "naiv" erscheint
  • wie unser Gehirn die Welt konstruiert
  • welcher Rolle unser Verstand (ratio) und welche Rolle unsere Sinne bei der Erkenntnis spielen
  • wie unser Erkenntnisapparat mit darüber bestimmt, was und wie wir überhaupt erkennen können
  • unter welchen Voraussetzungen wissenschaftliche Erkenntnis entsteht und welchen Status diese hat

 

Jahrgangsstufe 13, 2. Halbjahr: Logik oder Ästhetik oder Sprachphilosophie

Wer es bis hierher ausgehalten hat, darf darüber mitbestimmen, wie es weitergeht:

  • Logik: Satz, Aussage, Urteil; logische Implikationen, Satz vom Widerspruch, Grundzüge der traditionellen Logik: Urteilslehre und Syllogistik; Paradoxien ("Alle Kreter lügen, sagt der Kreter")
  • Ästhetik: Nachdenken über das Schöne und die Kunst
  • Sprachphilosophie: Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Sprache und Denken? Welche Beziehung gibt es zwischen Sprache und Wirklichkeit?