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Inklusion an der Europaschule Bornheim

Seit dem März 2009 ist die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen auch in Deutschland geltendes Recht: sie garantiert im Artikel 24 nicht nur das Recht auf Bildung, sondern auch das Recht auf den Zugang zu einem inklusiven Unterricht an Grundschulen und weiterführenden Schulen.
An der Europaschule wurde deshalb im Schuljahr 2009/2010 ein Arbeitskreis gegründet, der die Gelingensbedingungen für die Einrichtung einer integrativen Lerngruppe an dieser Schule erarbeiten sollte. Im Schuljahr 2011/12 wurde erstmals eine „integrative Lerngruppe“ eingerichtet.
Das im Jahr 2013 verabschiedete 9. Schulrechtsänderungsgesetz macht es Eltern möglich, ihr Kind wohnortnah inklusiv beschulen zu lassen. Hier in Bornheim hat bisher eine Kooperation aller beteiligten Schulen dafür gesorgt, dass alle Elternwünsche erfüllt werden konnten.
Gleichzeitig haben aber die sich ändernden Bedingungen,  insbesondere, was die personelle Ausstattung der Schule betrifft, dazu geführt, dass wir  seit dem Schuljahr 2015/16 das im Folgenden dargestellte Modell eingeführt haben. Nach einer Phase der Erprobung wird dieses evaluiert und von den Gremien der Schulgemeinde neu beraten.
Inklusion ist und bleibt also ein Prozess, an dem die ganze Schulgemeinde beteiligt ist. Leitgedanke ist dabei, eine Schule für alle Kinder zu sein. Da dies schon immer auch der Leitgedanke bei unserer Arbeit als Gesamtschule war, ist Inklusion in vielerlei Hinsicht eine konsequente Weiterentwicklung der bisher geleisteten Arbeit.

1. Die Rahmenbedingungen

•    Stellensituation

Im Schuljahr 2016/17 arbeiten drei Sonderpädagoginnen und -pädagogen mit voller Stelle sowie vier Kolleginnen mit halber Stelle bzw. mit nur wenigen Stunden an unserer Schule.

•    Klassen mit Gemeinsamem Lernen bzw. Integrative Lerngruppen

JgSt. O5:In diesem Jahrgang gibt es eine Schwerpunktklasse mit vier Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Darüber hinaus werden Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf einzeln in Klassen integriert.

JgSt 06: Dieser Jahrgang besteht aus sechs Klassen mit Gemeinsamem Lernen mit jeweils 27 SuS, davon zwei SuS mit sonderpädagogischem Förderbedarf.

JgSt 07: In diesem Jahrgang gibt es zwei Klassen mit Gemeinsamem Lernen mit jeweils 24 SuS, davon sechs SuS mit sonderpädagogischem Förderbedarf.

JgSt 08 – 10: In diesen Jahrgängen wurde jeweils eine Integrative Lerngruppe, d.h. eine verkleinerte Klasse mit 3-6 Schülerinnen und Schülern mit Förderbedarf. Darüber hinaus gibt es in zwei Klassen jeweils eine Schülerin mit Förderbedarf, die eine Unterstützung von außen bekommt.

Die Schulkonferenz hat einen Antrag angenommen, dass wir die Verteilung  in Klasse 5 jeweils ausgerichtet an den Förderbedarfe und den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf flexibel handhaben dürfen. Nach deren Anzahl in einer Klasse richtet sich dann auch die Zahl der Stunden, die doppelt besetzt werden können.

 

2. Sonderpädagogische Förderung und inklusives Lernen

Der Weg zu einem inklusiven Lernen, aber auch die (sonderpädagogische) Förderung jeder einzelnen Schülerin und jedes einzelnen Schülers wird dadurch erleichtert, dass viele Prinzipien, die im Bereich der allgemeinen Pädagogik, aber auch im Bereich der Sonderpädagogik als grundlegend gelten, seit vielen Jahren an Gesamtschulen, also auch an unserer Schule praktiziert werden.

2.1 Schulische Ebene

  • flexibler Einsatz der Sonderpädagogen
    Die Sonderpädagogen sind in der Europaschule Klassen fest zugeordnet und somit auch den Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die die jeweiligen Klassen besuchen. Die Besonderheit besteht darin, dass die Sonderpädagogen flexibel bleiben können, zu welchen Tagen und Zeiten sie in den Klassen tätig sind. Der Einsatz und die Arbeit in der Doppelbesetzung werden gemeinsam mit den jeweiligen Teams der Klassenleitung besprochen und festgelegt.
  • SAmS
    SamS steht für Soziales Arbeiten mit Schülern und ist ein Raum in der Schule, den die Schüler der Sekundarstufe I aufsuchen können, wenn sie eine Auszeit benötigen, Unterstützung brauchen oder Gesprächsbedarf haben. (Öffnet internen Link im aktuellen Fensterder weitere Text erscheint auf klicken)
  • Förderkonferenz
    Die Sonderpädagogen treffen sich in Ihrem Team einmal wöchentlich und tauschen sich über Gegebenheiten und ihre Tätigkeitsfelder aus. Neben aktuellen Berichterstattungen arbeiten sie gemeinsam an der Weiterentwicklung des Konzepts „Inklusion“. Zudem finden einmal im Monat Fallberatungen statt, in denen sich sowohl die Sonderpädagogen als auch die Fachlehrer in Bezug auf ihre Arbeit mit den Kindern mit Förderbedarf beraten lassen können.
  • Inklusionskonferenz
    Diese Konferenz hat den Status einer Fachkonferenz. Dort treffen sich ein- bis zweimal pro Halbjahr Eltern, Lehrer und Schüler, um sich gemeinsam über den aktuellen Stand der Inklusion an unserer Schule auszutauschen sowie bei Bedarf weitere Arbeitsgruppen zu bilden.

2.2 Klassenebene

Die Gesamtschule bietet in ihrer Organisation des Klassenlebens, also des Lernens und der sozialen Gemeinschaft Strukturen, die für das Gemeinsame Lernen förderlich sind.
Weitere Informationen dazu finden Sie z.B. auf den Seiten „Schulprogramm“ oder „Schulsozialarbeit“

2.3 Individuelle Ebene

Inklusion und Gemeinsames Lernen können nur dann gelingen, wenn jeder Schüler und jede Schülerin gemäß seinen/ihren Fähigkeiten lernen kann. Schülerinnen und Schüler mit einem Förderbedarf werden hier von den im Klassenteam arbeitenden Sonderpädagoginnen und Sonderpädagoginnen in enger Kooperation mit den Klassen- und Fachlehrerinnen und Fachlehrern unterstützt. Zu dieser Unterstützung  gehören
Individuelle Förderpläne (Öffnet internen Link im aktuellen Fensterweiterer Text erscheint auf Klicken)
Reflexionen und Feedback
(Öffnet internen Link im aktuellen Fensterweiterer Text erscheint auf Klicken)
Rückmeldebögen bzw. Mitteilungsmappen (Öffnet internen Link im aktuellen Fensterweiterer Text erscheint auf Klicken)
Verhaltensverträge (Öffnet internen Link im aktuellen Fensterweiterer Text erscheint auf Klicken)
Differenzierung  (Öffnet internen Link im aktuellen Fensterweiterer Text erscheint auf Klicken)
Auszeiten (Öffnet internen Link im aktuellen Fensterweiterer Text erscheint auf Klicken)
Patenschaften (Öffnet internen Link im aktuellen Fensterweiterer Text erscheint auf Klicken)

 

3.1 Berufsvorbereitung  (siehe auch „Studien-und Berufsorientierung“)

Die berufliche Orientierung ist ein wichtiger Bestandteil der Arbeit in den Klassen 8-10 für alle Schülerinnen und Schüler. Dabei geht es darum, grundlegende Kenntnisse über die Wirtschafts- und Arbeitswelt zu vermitteln, erste berufliche Praxiserfahrungen zu ermöglichen, personale und soziale Kompetenzen zu entwickeln und zu fördern. Dieser Prozess findet für die Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf einerseits allgemeinbildend innerhalb des Klassenverbandes, andererseits als ein persönlicher Erfahrungs- und Entwicklungsprozess statt.

Damit dies erfolgreich gelingt, bedarf es einer engen Zusammenarbeit verschiedenster Partner: Der Schüler, der Schule, der eingebundenen Lehrer, der Eltern, Vertreter der regionalen Wirtschaft, der Bundesagentur für Arbeit, des Integrationsfachdienst (IFD) usw.(Öffnet internen Link im aktuellen Fensterdie weiteren Texte erscheinen auf Klicken)

3.2  Kooperationspartner für die Durchführung dieser Maßnahmen

Bundesagentur für Arbeit (Öffnet internen Link im aktuellen FensterText erscheint  bei Anklicken des Begriffs)
Integrationsfachdienst (Öffnet internen Link im aktuellen FensterText erscheint  bei Anklicken des Begriffs)

 

4. Bildungsgänge und Abschlüsse

Die Europaschule Bornheim besuchen Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Förderschwerpunkten. Sie werden nach Maßgaben der AO-SF des Landes NRW im Klassenverband in den Bildungsgängen der allgemeinen Schulen zielgleich, im Bildungsgang des Förderschwerpunkts Lernen und im Bildungsgang des Förderschwerpunktes Geistige Entwicklung zieldifferent unterrichtet und können die entsprechenden Abschlüsse erreichen, die in der Verordnung festgeschrieben sind: (Öffnet internen Link im aktuellen Fensterder weitere Text erscheint auf Klicken)

 

5. Inklusion, aber richtig! (Eine Vision für das Jahr 2020)

Im Jahr 2020 wird der wunderschöne Neubau der Europaschule fertig gestellt sein und folgende Bedingungen für eine sich weiter entwickelnde Inklusion scheinen möglich:
In allen Klassen der Europaschule schreitet der Prozess der Inklusion in jeder Hinsicht fort. Es ist inzwischen normal geworden, dass nicht alle die gleichen Ausgangsbedingungen haben, jede(r) kann und darf so lernen, wie es für sie oder ihn sinnvoll und richtig ist und bekommt dabei eine ausreichende Unterstützung. Die räumlichen Bedingungen haben sich verbessert, es gibt Raum und Zeit für die Klassen- und Jahrgangsteams, um sich abzusprechen. Die Sonderpädagogen werden nicht mehr „abgeordnet“, sondern sind ein gleichberechtigter Teil des Kollegiums.

Es ist ein Zentrum für unterstützende Pädagogik (ZUP) eingerichtet worden, das im Neubau einen schönen großen Raum zur Verfügung hat. Eine weitere Sozialpädagogen-Stelle ist eingerichtet worden. Der SAmS-Raum ist eine feste Einrichtung geworden, er ist während der Unterrichtszeit in allen Stunden besetzt. In neu eingerichteten Therapie-Räumen können Schülerinnen und Schüler therapeutisch betreut werden und müssen nicht mehr nach der Schule zu ihren Therapien fahren. Schülerinnen mit besonderen Bedürfnissen werden angemessene Angebote, also z. B. lebenspraktische Übungen, angeboten.

Außerschulische Unternehmungen werden so geplant, dass alle teilnehmen können, der Aufbau eines Helfer- und Unterstützerkreises ist gelungen, so gibt es z. B. Patinnen und Paten aus der Ober- bzw. Mittelstufe, die Schülerinnen und Schüler aus der Unterstufe unterstützen.

Inklusion ist also mehr als die bloße Integration von „Abweichenden“ in eine sonst gleichbleibende Umgebung, sondern umgekehrt die Anpassung dieser Umgebung an die jeweiligen Voraussetzungen der Menschen, denn… 

Ziel von Schule kann nicht sein, dass jede(r) gleich herauskommt, sondern jede(r) soll anders herauskommen, als er/sie hineingekommen ist.

 

(Stand November 2016)