Sie sind hier: Aktuelles > Beitrag

Container als zusätzlicher Unterrichtsraum

22. 08. 2016

 Begutachtet den neuen "Klassenraum": Schulleiter Christoph Becker bei der Aufstellung der Container

 Alle packen an: Schüler, Flüchtlinge, Eltern und Lehrer bereiten den COntainer-Standplatz vor.

Die Paul-und-Margret-Faßbender-Stiftung stellt der Bornheimer Europaschule den Pavillon zur Verfügung, damit die Willkommensklasse für Flüchtlinge weiterlaufen kann.

Ein neuer, etwas anderer Klassenraum schwebte am Mittwoch am Haken eines Krans auf den Schulhof der Bornheimer Europaschule ein. Vier Containermodule mit grüner Fassade und weißen Fenstern stellt die Paul-und-Margret-Faßbender-Stiftung der Gesamtschule kostenlos zur Verfügung, um die Fortführung einer Willkommensklasse für Flüchtlingskinder zu ermöglichen.
Diese soll allerdings nicht in dem provisorischen 70 Quadratmeter großen Pavillon untergebracht werden, wie Schulleiter Christoph Becker erklärte. Der Container solle als Kurs- und Klassenraum dienen, der in den Stundenplan integriert und wechselnd für einzelne Schulstunden belegt werde. Die Willkommensklasse, in der rund 20 Mädchen und Jungen vor allem Deutsch lernen, erhalte wie andere Klassen auch einen Raum im Schulgebäude.

Kurzerhand hatten Becker und das Lehrerkollegium im April das Angebot für Flüchtlingskinder unbürokratisch selbst auf die Beine gestellt, nachdem sie mitbekommen hatten, dass mehrere Kinder in den für Flüchtlinge zur Verfügung gestellten Erntehelferunterkünften „Am Ühlchen“ keinen Schulplatz erhalten hatten. Da die Stufe Q 2 im Zuge der Abiturprüfungen ab Ostern keinen Unterricht mehr hatte, sei die Raumkapazität dafür auch da gewesen, erklärte Becker.

„Grundlage für Integration sind Deutschkenntnisse“


„Ansonsten stehen wir räumlich mit dem Rücken an der Wand, deshalb bekommen wir ja auch den Neubau“, verwies Becker auf die Pläne der Stadt zur Erweiterung der Schule, die für 8,7 Millionen Euro bis 2018 erfolgen soll.

Damit die Willkommensklasse nun auch nach den Sommerferien fortgesetzt werden kann, sprang der Alfterer Unternehmer Paul Faßbender ein. „Seit Beginn der Flüchtlingskrise engagieren wir uns in diesem Bereich“, sagte Faßbender. Die Willkommensklasse an der Europaschule sei eine „tolle Sache“, fand er: „Grundlage für Integration sind Deutschkenntnisse.“ Die Schule könne den Container so lange nutzen, wie der Raum benötigt werde.

Ab dem neuen Schuljahr werde das Angebot der Schule als Vorbereitungsklasse auch angerechnet, sagte Becker. In der Projektwoche vor den Ferien hatten Schüler, Flüchtlingskinder und Lehrer gemeinsam mit Vater Peter Kossmann, der einen Handwerksbetrieb hat, den Platz für den Container vorbereitet.

„Wir haben den Erdwall abgetragen, den Bewuchs entfernt und Beton gemischt für die Punktfundamente“, zählte Kossmann auf. Nur die Nivellierung sei von einem Fachmann gemacht worden, ergänzte Becker. Die Stadt lege Stromkabel für Beleuchtung und Heizung und stelle im Vorgriff auf die Schulerweiterung bereits neue Stühle und Tische zur Verfügung.

Gemeinsam mit Vater Kossmann sah der Schulleiter zu, wie der Kran die Containermodule Stück für Stück unter den Ästen eines Baumes und über die Fahnenmaste an ihren Platz bugsierte. „Sieht schick aus“, befand Kossmann, „jetzt muss nur noch der Fußboden rein.“ Und für eine Stufe als Zugang nahm er schon mal Maß.

Generalanzeiger vom 18.08.2016 von Antje Jagodzinski