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„Er lebt in so vielen Menschen weiter“

03. 06. 2016

 Viele Europaschüler trugen sich in das Kondolenzbuch für den Menschenrechtler Rupert Neudeck in der „Oase“ ein. FOTO: ROLAND KOHLS

Die Europaschule legt ein Kondolenzbuch für Rupert Neudeck, Preisträger des „Bornheimers 2016“, aus. Der Troisdorfer und Gründer von Cap Anamur ist am Dienstag gestorben.

Gerade einmal einen Monat ist es her, dass die Bornheimer Europaschule Rupert Neudeck mit dem „Bornheimer“ auszeichnete – ein Preis, den die Einrichtung alle zwei Jahre an Menschen verleiht, die sich auf verschiedene Weise gesellschaftlich verdient gemacht haben.

„Wer Hindernisse überwinden will, muss leichtfüßig sein und auch die Bereitschaft mitbringen, etwas Illegales zu tun“, hatte Neudeck in seiner Dankesrede erklärt und damit auf seinen verbotenen Spendenaufruf in einer Fernsehsendung im Jahr 1979 angespielt.

Am Dienstag verstarb der Gründer der Hilfsorganisationen „Komitee Cap Anamur“ und „Grünhelme“ im Alter von 77 Jahren nach einer Herzoperation (der General-Anzeiger berichtete). Am Mittwoch wurde in der Gesamtschule ein Kondolenzbuch für ihn ausgelegt.

Das „Schiff der Hoffnung“, das Schüler für die Preisverleihung angefertigt hatten, steht mitten in der „Oase“, der lichtdurchfluteten Pausenhalle der Europaschule. Auf dem Schiffsmodell brennt eine Kerze und ein Foto, das von Neudeck bei der Preisverleihung gemacht wurde, steht dort. Davor, auf einem Tisch, liegt das Kondolenzbuch, in das sich zwei Schülerinnen eintragen. Schon nach knapp zwei Stunden hatten mehr als 20 Schülerinnen und Schüler ihre Trauer in dem Buch, das der Witwe Christel Neudeck überreicht wird, in Worte gefasst.

„Auch wenn er von uns gegangen ist, lebt er in so vielen Menschen weiter“, schreibt eine Schülerin. Eine Gruppe Fünftklässler erinnert an das Engagement des Theologen, Journalisten und Menschenrechtlers, der in Troisdorf-Spich zu Hause war. „Toll, dass er viele Menschen aus dem Meer gerettet hat“, schreiben sie. „Wenn es einen Himmel gibt, wird er jetzt dort sein“, lautet ein weiterer Eintrag.

„Er wirkte noch so voller Energie und Tatendrang“, blickte Christoph Becker, Leiter der Europaschule, auf die Preisverleihung Ende April zurück. Die Schule werde seine Ideale und Gedanken weitertragen und ihn in ehrenvoller Erinnerung behalten. „Die Welt verliert einen warmherzigen Menschen und mutigen Streiter für Menschlichkeit und Gerechtigkeit“, schrieb Becker.

(Generalanzeiger vom 02.06.2016 von Roland Kohls)