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Partnerschaft heißt partnerstwo

30. 08. 2007

 

 

 

Zarte Bande: Bevor die Städte Bornheim und Zawiercie einen Partnerschaftsvertrag besiegeln, macht sich eine Delegation aus Polen erst einmal bei einem Gegenbesuch ein Bild vom Vorgebirge.

BORNHEIM. Noch vor einem offiziellen Beschluss gewinnt die mögliche Partnerschaft zwischen Bornheim und der südpolnischen Kreisstadt Zawiercie an Bodenhaftung im Vorgebirge. Vielleicht schon im Herbst, spätestens aber im kommenden Frühjahr erwartet Bürgermeister Wolfgang Henseler eine Delegation aus Polen zu einem ersten Gegenbesuch. Danach werden die beiden Stadtverwaltungen über die Grundlagen eines Partnerschaftsvertrages diskutieren und diesen zur Entscheidung stellen.

Die Europaschule Bornheim ist da einen Schritt schon weiter: Sie hat bereits im vorigen Jahr eine Schulpartnerschaft mit der Oberschule der Stadt Zawiercie geschlossen und plant für dieses Schuljahr konkrete Vorhaben. Nach dem Besuch von Musiklehrern aus Bornheim in Zawiercie soll ein gemeinsames Musikprojekt gestartet werden. "Außerdem ist an eine Videokonferenz gedacht, bei der die Schüler beider Schulen im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft regelmäßig miteinander in Kontakt treten", so Christoph Becker, stellvertretender Schulleiter der Europaschule. Allerdings hapert es auf der Gegenseite derzeit noch an der erforderlichen Technik. Die Begegnungssprache soll Polnisch sein. Ein paar Brocken der für Deutsche nicht gerade einfach zu erlernenden Sprache werden sich die Bornheimer Schüler dann wohl aneignen müssen. Perfektion wird aber nicht erwartet. "Bei einer Partnerschaft stehen Austausch, Verständigung und Kommunikation im Vordergrund", sagt Christoph Becker. "Die Sprache ist dabei fast egal." Das sieht offensichtlich auch die Bornheimer Verwaltungsspitze so. Bürgermeister Henseler, Stadtverwaltungsdirektor Gerhard-Josef Brühl und Vizebürgermeister Michael Pacyna, die bereits in Zawiercie waren, um dort Kontakte zu knüpfen, wissen jedenfalls nicht, woher sie die Zeit nehmen sollten, um etwas Polnisch zu lernen.
"Viele Polen sprechen Deutsch oder Englisch. Eher müsste ich mein Englisch verbessern", sagte Henseler. Das beherrscht sein polnischer Amtskollege Ryszard Mach sehr gut. Und in seinem eigenen Rathaus kann der Bornheimer Bürgermeister auf eine Mitarbeiterin zählen, die als perfekte Dolmetscherin und Übersetzerin zur Verfügung steht. Vizebürgermeister Michael Pacyna meint ebenfalls, dass man sich heute in Europa auch in anderen Sprachen näher kommen kann: "Städtepartnerschaften sollte man nicht vom Büffeln abhängig machen." Wichtiger sei es, das habe der jüngste EU-Gipfel gezeigt, sich gegenseitig näher kennenzulernen.
Gleichwohl sei ein Minimum an Wortschatz ein positives Signal an die Gegenseite. Das hat er in seiner Eigenschaft als Lehrer bei Schulpartnerschaftsbesuchen zum Beispiel in Budapest empfunden. "Von Besuch zu Besuch werden es ein paar Brocken Ungarisch mehr", berichtet er.
Interessierte Bornheimer, die in jedem Fall eingebunden werden sollen, können sich schonmal auf künftige Ereignisse vorbereiten. Die Volkshochschule Bornheim/Alfter bietet nach einjähriger Pause wieder einen Polnisch-Kursus an. Und keine Angst: Es gibt nicht nur schwierige Wörter mit vier Konsonanten hintereinander. Manche sind einfach. So hießt Partnerschaft partnerstwo.




(Bonner Generalanzeiger vom 29.08.2007 von Ilse Mohr)