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"Europa in den Köpfen verankern"

12. 11. 2009

 

300 Lehrer aus Deutschland und den Nachbarländern nehmen an der Tagung des Netzwerkes für Europaschulen teil.

Der Mauerfall und die deutsche Wiedervereinigung gelten als Initialzündung für das "offene Europa" ohne Ländergrenzen, wie wir es heute kennen. Dieser Entwicklung sehen sich die Europaschule verpflichtet. Die Workshops der vierten Tagung des Bundes-Netzwerkes für Europaschulen an er gleichnamigen Gesamtschule in Bornheim standen deshalb ganz im Zeichen des interaktiven Schwerpunktes  "Europa trifft Schule". An der zweitägigen Veranstaltung nehmen neben Vertretern der deutschen Europaschulen auch Lehrer von den Partnerschulen aus den Nachbarstaaten teil.
"Im Fokus des Workshops standen vielfältige Unterrichtsinhalte aus den Bereichen Medienkompetenz und Kommunikation. Dabei haben wir besonderen Wert auf die Stärkung der interkulturellen Sprachkomponente, der Vermittlung von Fachwissen in europäischen Kontexten und von positiven Lebenserfahrungen in und mit Europa gelegt", sagt Rolf Börter, Koordinator an der Europaschule in Bornheim.
Nordrhein-Westfalen gilt mit über 100 von etwa 200 Europaschulen in Deutschland als Keimzelle und Initiator des Netzwerks. Bornheim ist als Gründungsmitglied des Netzwerks ein Aktivposten , vor allem im Bereich "Schule interaktiv". Das Prädikat "Europaschule" muss man sich verdienen. Es wird nur verliehen, wenn die Kriterien fremdsprachlicher Unterricht, projektorientierte Schulpartnerschaften und Auslandspraktika, Integration europäische Themen und Qualitätssicherung angeboten werden. "Wir wollen unsere Schüler auf das vereinte Europa vorbereiten und die europäische Kultur zu ihrem Selbstverständnis machen. Nur über die sprachliche Interaktion können wir einen Sogeffekt erzielen. Wir streben einen länderübergreifenden Konsens an, der einen Beitrag zum Friedenserhalt in Europa liefern wird", erklärt Christoph Becker, Direktor der Europaschule in Bornheim.
Am Beispiel eines deutsch-französischen Lehrbuches diskutierten auf dem Podium der ehemalige Außenminister Klaus Kinkel und der Staatssekretär für Europaangelegenheiten "Europa und Medien", Michael Mertes, die Vor- und Nachteile einer föderal oder zentral geführten Bildungspolitik. Die Umsetzung des gemeinsamen Lehrbuches hakt immer noch daran, dass weiterhin Abstimmungsschwierigkeiten zwischen dem zentralisiert geführten Bildungssystem in Frankreich und dem föderalen in Deutschland bestehen.
Während Kinkel dem Bildungsföderalismus mit dem Kooperationsverbot auf Länderebene als "Mist für die zukünftige Entwicklung" bezeichnete, verteidigte Mertes die föderalen Gestaltungsmöglichkeiten als "grundlegend für die Mitbestimmung vor Ort". Einig waren sich beide in der Europafrage. In der Bildung müssen die Staaten noch viel stärker zusammenwachsen. Unser Europa muss sich in den Köpfen der Menschen verankern", erklärte der Vorsitzende der Deutschen Telekom Stiftung, Klaus Kinkel.
Als Resümee der zweitägigen Veranstaltung verabschiedeten die Teilnehmer die "Bornheimer Erklärung 2009". Sie wurde von einer länderoffenen Arbeitsgruppe formuliert und hat den bestehenden Kriterienkatalog bestätigt und ausgeweitet. Neben den bestehenden Punkten zur Zertifizierung wurden die Kriterien "Personalqualifizierung" und "Europaschule in der Region" in den Katalog aufgenommen. Die Erklärung gilt als Grundlage für die Zertifizierung in Deutschland und soll darüber hinaus europäische Nachbarn animieren, ebenfalls Europaschulen einzuführen.



(Bonner Generalanzeiger vom 09.11.2009 von Michael Henseler)