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Ein Vermögen für "West-Schallplatten"

19. 06. 2003

 

Student schilderte an der Europaschule den kommunistischen Alltag

Bornheim. “Wir möchten Geschichte nicht nur über Bücher vermitteln, sondern suchen, wo immer es geht auch die Begegnung”, erklärt Klaus Schlotterose, Lehrer an der Bornheimer Europaschule. Zum 50. Jahrestag des 17. Juni 1953 hatte er und seine Kollegin Susanne Haas-Bleckmann David Venter eingeladen: Mit seinen 26 Jahren war der Geschichtsstudent aus Suhl (Thüringen) zwar weit davon entfernt, die Arbeiteraufstände 1953 miterlebt zu haben, doch der Alltag im kommunistischen Ostdeutschland ist ihm noch lebendig in Erinnerung. Die Vorgänge am 17. Juni 1953 in seiner Heimat Suhl hat er zu einen aus Heimatverbundenheit in seiner Magister-Arbeit verarbeitet, zum anderen aber auch, weil seine Großeltern als selbständige Unternehmer unter dem SED-Regime stark zu leiden hatten. Die Geschichtslehrer waren froh, ihn mit Hilfe der Konrad-Adenauer-Stiftung als Referenten für die Jahrgangsstufen 10 und 11 gewinnen zu können: “Er spricht die Sprache der Schüler und ist doch durch seine Familienbiographie in die Geschichte involviert”, erklärte Klaus Schlotterose. Die Bornheimer Jugendlichen fesselten nicht die primär historischen Ereignisse. Sie stellten Fragen zum ganz normalen Alltagsleben unter dem DDR-Regime. “Ich finde interessant zu erfahren, wie das Leben als Kind damals so war”, bekannte Pia Balsaloere(17). Nur wenig habe sie bislang über das andere Deutschland gewusst. So ging es auch den meisten ihrer Mitschüler.

Erstaunt hörten sie, welch horrende Summen ostdeutsche Jugendliche für westliche Heavymetal-Schallplatten hinblätterten. Und wie war das denn eigentlich nach der Wende? Alles neu? “Ja, alles irgendwie neu und anders”, meint Venter. Auch Aufstehen, um den Lehrer zu begrüßen, musste keiner mehr. “Aber das war eine Freiheit, an die wir uns schnell gewöhnt haben”, schmunzelt er. (jot)

(Bonner Rundschau vom 19.06.03)