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Europa findet sogar im Mathematikunterricht statt

30. 10. 2005

 

BESUCH Landesminister Michael Breuer informiert sich in der Bornheimer Europaschule und ist begeistert. 42 Nationen unter einem Dach. Den Appell des Kollegiums will der Gast nicht unterschreiben

BORNHEIM. Es ist eine “Vorzeigeschule”, kam gestern morgen aus kompetentem Munde ein großes Lob für die Bornheimer Europaschule. Denn das sagte gleich mehrmals Minister Michael Breuer, im Land Nordrhein-Westfalen zuständig für Bundes- und Europaangelegenheiten. Der 40-jährige Christdemokrat ist neu im Amt, doch gestern hatte er schnell das Heft in der Hand. Selbst Schulleiter Klaus Breil, die Landtagsabgeordnete Ilka Keller, die Europaparlamentarierin Ruth Hieronymi (alles Parteifreunde des Ministers) sowie Sozialdemokrat und Bürgermeister Wolfgang Henseler hatten kaum eine Chance gegen den redefreudigen Gast aus Düsseldorf. Wobei der hohe Besuch gar keinen so weiten Anfahrtweg hatte, er ist Abgeordneter aus dem Rhein-Erft-Kreis. Doch sein Thema war Europa, und da fand er in Bornheim zu Breils und Henselers Freude viele gute Ansätze. Ein Dutzend Partnerschulen in der ganzen Welt hat die Europaschule, 42 Nationalitäten sind unter dem architektonisch ungewöhnlichen Dach vereint. Dass das super klappt, bestätigte auch Rolf Börter, Europa-Koordinator in der Schule. “Wir können in allen Fächern das Internationale einbringen. Im Deutschunterricht besprechen wir die tragische Geschichte einer holländischen Familie, die von den Nazis umgebracht wurde, und spannen den Bogen zur deutsch-niederländischen Beziehung. In Mathe sprechen wir über die Maßeinheiten der verschiedenen Währungen, bei der Symetrie über die Linien gotischer Kirchen in Italien. Naturwissenschaft erleben wir mit Partnerschülern aus Straßburg an der Atlantikküste und befassen uns mit Meeresbiologie. Europa ist eben überall.”
   Diskussionen über Kürzungen der Landeszuschüsse nahm Wolfgang Henseler zum Anlass, bei der neuen Landesregierung aus CDU und FDP weitere Unterstützung für die Europaschule anzumahnen. Michael Breuer wollte solche Zusagen gerne machen, unterschrieb aber einen vom Kollegium vorbereiteten “Bornheimer Appell” mit umfangreichen Wünschen nicht. “Als Abgeordneter kann ich so etwas unterschreiben. Als Minister finde ich Ihr Engagement sehr gut, muss aber Zusagen mit den Ressortministern und dem Parlament abstimmen”, zog sich der Politiker aus der Affäre. So blieb es bei der Absichtserklärung aller Beteiligten, sich für den Erhalt der hohen Standards in Bornheim einzusetzen. “Wir wollen das Bewußtsein für Europa stärken. In Zeiten der Globalisierung ist eine weltoffene Ausrichtung schon im Kindesalter äußerst wichtig”, zog Ilka Keller ein Resümee und regte an, eine Art Gütesiegel für Europaschulen einzuführen.

(General-Anzeiger vom 29./30.10.2005 von Werner Meyer)