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Merkur Plus - Deutsche Telekom Stiftung

03. 02. 2005

INTERAKTIVE SCHULE
Innovatives Lehren – innovatives Lernen

In Bornheim bei Bonn startet ein Modellvorhaben. Mit modernster Technik wird die Europaschule als Partner der Telekom Stiftung zukunftstauglich.

Autor: BERNHARD MOGGE

„Ich freue mich so“, meint die Fünftklässlerin, „ich weiß nur nicht genau, worüber.“ Gerade ist per Lautsprecher durchgesagt worden, dass ihre Schule als Erste für das Modellprojekt „Interaktive Schule“ ausgewählt worden sei. Jetzt, einige Wochen später, ist sie mit vielen Mitschülerinnen und Mitschülern in die „Oase“ der Europaschule Bornheim gekommen, um mit Lehrern, Eltern und einiger Politprominenz die feierliche Unterzeichnung des Vertrages zwischen der Schule und der Deutschen Telekom Stiftung zu erleben.

Die Gesamtschule Bornheim, ein riesiger Komplex mit fast 1400 Schülerinnen und Schülern in dem kleinen Ort wenige Kilometer nordwestlich von Bonn, ist seit langem besonders aktiv. Das Etikett „Europaschule“ hat sie sich durch bilingualen Unterricht verdient. Zudem ist das besondere Engagement für Europa an den zahlreichen AGs abzulesen, deren Auflistung eine große Pinnwand füllt. Die Schule hat außerdem einiges zu bieten, was die technische Ausstattung angeht: Neben den Geräten in Klassenzimmern und Fachräumen gibt es in der „Oase“, sonst Aufenthalts- und Freizeitraum für die Oberstufe, einen Internet-Arbeitsplatz für die Schüler.

Mit dem auf drei Jahre angelegten Forschungs- und Entwicklungsprojekt „Schule interaktiv“ beginnt in Bornheim eine neue Zeitrechnung. Auslöser war die Gründung der Telekom Stiftung am 11. Februar letzten Jahres, die auf drängende Probleme in Bildungsfragen eine positive Antwort geben möchte. Die Ergebnisse der Pisa-Studien, die Abwanderung wissenschaftlicher Exzellenz und der nur mittelmäßige Rang Deutschlands als Technologiestandort erfordern nach Ansicht der Stiftung intensive Förderung – gerade an der Schule, gerade in den Bereichen Naturwissenschaften und Technik.

Konkret sieht das so aus, dass die Europaschule Bornheim – als Erste von drei Partnerschulen, die keinesfalls Eliteeinrichtungen sein, sondern einen Querschnitt der Bevölkerung darstellen sollen – umfangreiche technische Ausstattung für einen innovativen Unterricht erhält. Dazu gehören neben einem modularen Lernmanagementsystem jede Menge Hardware, etwa 100 Laptops, Beamer, Smartboards und eine Videokonferenzanlage, zudem pädagogisch-didaktische Software, aber auch Mittel für das Labor und, als i-Tüpfelchen, auch studentische Hilfskräfte als wissenschaftliche Assistenten, die die Experimente vor- und nachbereiten.

„Das Besondere an dem Projekt ist jedoch die Interaktion“, betont bei der Vertragsunterzeichnung der frühere Bundesaußenminister Klaus Kinkel, Vorsitzender der Deutschen Telekom Stiftung. „Es sollen verschiedene didaktische Ansätze entwickelt und eingeführt werden, die eine individuellere Schüler-Lehrer-Interaktion ermöglichen.“ Nicht mehr und nicht weniger als ein Wandel der Unterrichtskultur der Lehrer und ein Wandel der Lernkultur der Schüler ist das ehrgeizige Ziel des Modellvorhabens, das an einer Hochschule wissenschaftlich begleitet und evaluiert wird. Außer einer Vernetzung der Projektschulen ist angestrebt, die gesammelten Erfahrungen und Kompetenzen auf andere Schulen übertragbar zu machen.

„Grundbildung für alle Schülerinnen und Schüler im Bereich digitaler Medien“: So beschreibt Christoph Becker, stellvertretender Schulleiter und Projektkoordinator an der Europaschule Bornheim, das Lernziel. „Moderne Technik allein“, weiß der 41-Jährige, „macht aber noch keinen guten Unterricht, aber sie ist ein wertvolles Lehr- und Lerninstrument und versetzt uns in die Lage, unsere Schüler aktueller und individueller beim Lernen zu begleiten. Zudem übernehmen die Schüler mehr Verantwortung für den eigenen Lernprozess.“

Hemmungen oder gar eine gewisse Aversion gegen moderne digitale Technik gibt es bei den 130 Lehrerinnen und Lehrern nicht. Das junge Kollegium – der Altersdurchschnitt liegt unter 40 – ist begeisterungsfähig. Auch das war eine Voraussetzung für die Auswahl als Partnerschule der Telekom Stiftung. „Natürlich bedeutet das Projekt für uns Lehrer viel Mehrarbeit und Neuland“, erklärt Christoph Becker, „aber vor Arbeit haben wir uns noch nie gedrückt. Die allermeisten Kolleginnen und Kollegen machen das aus Überzeugung. Wir müssen uns über Fortbildung, zum Teil in der Schule selbst, mit den neuen Medien vertraut machen. Die Technik soll man nutzen können, auch wenn man kein EDV-Fachmann ist.“

Oberstufenschüler David erklärt locker: „Das trauen wir unseren Lehrern zu.“ Mitschülerin Sarah assistiert: „Ich glaube, das wird ein gegenseitiges Geben und Nehmen sein.“ Schülersprecher Alexander ist überzeugt, dass die Lehrer fit sind und freut sich auf die PC-Ausstattung: „Da können wir uns Ergebnisse gleich auf dem Rechner anschauen. Die Technik dient als Unterstützung für den Unterricht, und die Lehrer können zeigen, was man mit dem PC noch machen kann, als nur zu spielen.“

Christoph Becker gibt zu bedenken: „Natürlich wird es nichts nützen, eine Schule mit Technik voll zu stopfen. Es muss sich aufseiten der Lehrer etwas verändern: Der moderne Lehrer ist mehr ein Prozessbegleiter, ein Ratgeber und nicht so sehr Alleinunterhalter. Insofern bedeutet das Projekt einen qualitativen Unterschied zum bisherigen Unterricht.“

Wichtig ist dem Pädagogen aber auch: „Die Elternkompetenz ist von Haushalt zu Haushalt unterschiedlich. Aufgabe der Schule ist es, innovative Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen, sodass auch Kinder lernen, mit diesen Medien umzugehen, die dafür zu Hause nicht die finanziellen Voraussetzungen haben.“

Das sieht der Vorsitzende der Telekom Stiftung, Klaus Kinkel, ähnlich: „Uns geht es nicht nur darum, die Lehrer und Schüler an die Möglichkeiten der Technik heranzuführen, sondern vor allem darum, sie mithilfe von Technik und neuen Lehr- und Lernansätzen an ihre eigenen Möglichkeiten heranzuführen.“ Die Fünftklässlerin hat allen Grund zur Freude, denn die Partnerschaft bringt ihr wirklich etwas.

© Sonderveröffentlichung / Rheinischer Merkur Nr. 05, 03.02.2005