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Selbst Mathematik-Unterricht soll Spaß machen

19. 01. 2005

MODELLPROJEKT Als erste deutsche Schule ist die Bornheimer Europaschule jetzt “Interaktive Schule”. Beim Modellprojekt der Telekom Stiftung sollen Lehrer und Schüler das Lernen lernen

Voll vernetzt:
Schüler und Lehrer der Europaschule werden bald direkt über den Bildschirm miteinander sprechen.

 

 

 

 

  Einige Schüler werden sich besonders freuen, sie bekommen für das Lernen in der Europaschule ein Laptop. Damit können sie in der Klasse und zu Hause arbeiten. Per eigener Email-Adresse und einem direkten Draht zum Lehrer. ,,Selbst die meist so unbeliebte Mathematik soll Spaß machen. Doch dazu müssen auch unsere Lehrer weitergebildet werden. Die Zusammenarbeit zwischen der Schule, den Kindern und Jugendlichen, den Eltern und der Telekom-Stiftung muss reibungslos funktionieren”, sagte gestern in Bornheim der Vorsitzende der Stiftung. Es ist der frühere Außenminister Klaus Kinkel, der mit Europaschul-Direktor Klaus Breil beim Neujahrsempfang die Vertragsurkunde unterzeichnete. Seit gestern beschreitet die ohnehin einfallsreiche Gesamtschule einen neuen Weg beim Unterricht. ,,Ein Meilenstein in unserer Geschichte: Wir wollen Schule machen”, freut sich Klaus Breil auf die Zukunft.

“Die Europaschule kann sich in jeder Hinsicht sehen lassen”, erläuterte der Ex-Minister, warum die erst ein Jahr alte Stiftung ausgerechnet in Bornheim bei der Suche nach einer Modellschule fündig geworden war. Erst später sollen Schulen in Leipzig und Frankfurt folgen. ”Die Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, die vernetzte Wissens- und Informationsgesellschaft national und international zu fördern. Sie will den Technologiestandort Deutschland voranbringen und einen spürbaren Beitrag zur Verbesserung des Innovationsklimas im Land leisten. Die Stiftung strebt eine Verbesserung der mathematisch-naturwissenschaftlichen und technischen Ausbildung an und möchte einen Imagewandel für diese Fächer erreichen. Das fängt in Kindergarten und Vorschule an, geht durch alle Schultypen und endet an den Universitäten.”

So weit die Worte des Politikers. Konkret wird sich an der Europaschule Schritt für Schritt viel ändern, wie die Projektleiter Julija Pezer (Telekom) und Christoph Becker (Europaschule) sich vorstellen. “Schule interaktiv” heißt auch hochmoderne Technik. So wird die Telekom “einige hunderttausend Euro” investieren. Dazu gehört erst einmal ein Netzwerk, in dem Lehrer und Schüler vernetzt sind. Beide Seiten können aufeinander zugehen: Hat ein Schüler Fragen zu Aufgabe 20, findet er direkt eine Erklärung im Netz. Der Lehrer sieht, wie weit der Pennäler mit der Hausaufgabe ist, kann bei Fehlern eingreifen. Und das alles auch zwischen Schule und zu Hause. Modulare Lernplattform, Videokonferenzanlage, Laptops, Smartboards - das sind nur einige der technischen Ausrüstungsgegenstände, die bald in Bornheim zusätzlich installiert werden. Kinkel sprach von einem “Wandel der Kultur der Lernens und einem Wandel der Kultur des Lehrens”, sprich, auch das Kollegium wird dazu noch einmal die Schulbank drücken müssen. Dazu sollen neben dem vorgeschriebenen Lehrplan Standards entwickelt werden. Aber auch Wege, den Stoff möglichst unterhaltsam zu vermitteln. Eben, damit Pädagogen und Schüler gerne in den Unterricht kommen. Doch es soll nicht bei rein technischer Hilfe bleiben. Zum Beispiel Chemie: Da hilft eine Ausstattung mit Chemikalien und Apparaturen, dass auch die Jugendlichen eigene Experimente durchführen können. Studentische Hilfskräfte werden engagiert, um die Experimente zu begleiten. Aus all den Erkenntnissen werden neue Konzepte entwickelt. ,, Wir wissen heute nicht, was am Ende des Models steht”, ist auch Klaus Breil gespannt. Parallel wird eine Software entwickelt, die den Unterricht interessanter und effektiver machen soll. ,,Schwächen ausmerzen und Stärken fördern”, heißt das Ziel. Dazu beteiligen sich Schulbuchverlage, die die Erfahrungen aus Bornheim einbauen werden.

,,Wir freuen uns auf das Projekt und werden jeden Tag auch selber lernen. Die Kooperation ist wichtig. Die Stiftung stellt nicht nur Geräte auf. Wir werden ständig im Dialog sein, was wir verbessern können und was wir dazu brauchen”, meinte Breil und Kinkel direkt nach der Vertragsunterzeichnung. Das Programm der Feier umrahmten Schüler der Europaschule musikalisch. Bürgermeister Wolfgang Henseler und Leitender Regierungsschuldirektor Hans Bürvenich wünschten dem Modellprojekt viel Erfolg.

(General-Anzeiger vom 19.01.2005 von Werner Meyer)