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Britische Unterhändler besuchen die zehnte Klasse

27. 10. 2006

 

BILDUNG Die Bornheimer Europaschule beteiligt sich an dem Planspiel
“meet europe!” der Friedrich-Ebert-Stiftung. Ziel soll sein, mehr Begeisterung für die Staaten der EU zu wecken. Austausch über das Internet.

BORNHEIM. Die englischen Mitglieder des Europäischen Rats kommen aus Bornheim und gehen hier zur Schule. Genauer gesagt: in die zehnte Klasse der Europaschule. Zumindest ist dies der Fall in dem Planspiel “meet europe!” zum Lernfeld Europa, das die Friedrich-Ebert-Stiftung kreisweit ausgeschrieben hat. Die Schüler des bilingualen Zweigs der Jahrgangsstufe Zehn beteiligen sich daran, “und da wir viel Unterricht auf Englisch geben, bot sich die Übernahme der Rolle Großbritanniens einfach an”, erklärte Lehrer Konstantin Korda zum Auftakt.
   Jedes Spiel hat seine Regeln. Und die des Planspiels sind eben nicht einfach, schließlich ist das Vorbild die Realität. Die teilnehmenden Schulen übernehmen die Rolle von zwölf verschiedenen EU-Ländern, die sich dann in verschiedenen Politikfeldern auf eine gemeinsame Vorgehensweise einigen sollen, stets unter Berücksichtigung der Gegebenheiten in der “Heimat”. So stehen Diskussionen zur Erweiterung der Europäischen Union ebenso auf der Tagesordnung, wie die Themen Umwelt, Energiepolitik, Sozialpolitik und das Lissabon-Abkommen.
   “Nach den Streitigkeiten um Gaslieferungen aus Russland haben wir aus diesem aktuellen Anlass auch die Energiepolitik mit hinzugenommen”, sagte Jonathan Schulze von der Friedrich-Ebert-Stiftung in gespannter Erwartung, zu welchem Ergebnis die Schüler-Politiker dabei kommen werden. Gemeinsam mit seinem Kollegen Karl-Heinz Hönings führte Schulze die “Briten” an der Europaschule in ihre Rolle ein. Zwei Stunden wöchentlich werden sie im Fach “Bilinguale Sachkunde” für die kommenden sechs Wochen Zeit in das Spiel investieren, viel diskutieren und sich über britische Interessen und Probleme informieren.
  Dazu gilt es, für die “Mitglieder des Europäischen Rats”, sich mit den englischen Kommisions-Mitgliedern und EU-Parlamentariern abzustimmen, um dann eine gemeinsame Linie gegenüber den anderen Ländern zu vertreten. Der Kontakt läuft dabei über das Internet, per Emails und in einem wöchentlichen Chat, recherchiert wird auf eigene Faust über die Internetseite der Stiftung (www.meet-europe.org). Das Ziel ist klar: Das Interesse für die Institution der EU und die europäischen Nachbarländer zu wecken. Doch nun liegt zunächst viel Arbeit vor den Jugendlichen, die sich in der ersten Stunde nur sehr zaghaft an das Thema heranwagten. Auf die Frage, welche westeuropäischen Länder nicht zur EU gehören, gaben sie die Antwort “Schweiz, Andorra, Liechtenstein” an - statt “Schweiz, Island, und Norwegen”. Aber es bleibt ja auch noch etwas Zeit. Im Dezember wird es eine Abschlussveranstaltung in Bonn geben, bei der sich dann alle Protagonisten in Person gegenüber stehen werden - und vielleicht zu einer Einigung finden, die der Realität als Vorbild dienen könnte.

(Generalanzeiger vom 27.10.2006 von Bernhard Berger)