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Europaschule Bornheim gehört zu den 20 besten Deutschlands

14. 01. 2017

 Die Jury macht Station in der Bornheimer Europaschule, Schulleiter Christoph Becker (2. v. r.) führt die Experten herum.

Am 29. Mai wird Bundeskanzlerin Angela Merkel verkünden, wer das Rennen um den mit 100.000 Euro dotierten Hauptpreis macht. Alleine schon bei den Bewerbungskriterien liegt die Messlatte sehr hoch.

Die Europaschule Bornheim ist als eine von 20 Schulen in die Vorauswahl zum Deutschen Schulpreis gekommen. Dabei handelt es sich um den höchstdotierten Wettbewerb für Schulen in Deutschland. Vergeben wird der Preis seit 2006 von der Robert-Bosch-Stiftung und der Heiderhof-Stiftung, Medienpartner sind der „Stern“ und die ARD.

81 Schulen hatten sich in diesem Jahr beworben. Eine Jury aus Praktikern und Bildungswissenschaftlern bewertete die 14-seitigen Bewerbungsunterlagen der Schulen und wählte 20 Schulen aus, die von Experten besucht und begutachtet werden. So kamen nun auch drei Jurymitglieder und eine Stiftungsvertreterin zwei Tage in die Europaschule, führten Gespräche, hospitierten im Unterricht und informierten sich über Projekte.Ihre Gesprächspartner und die Klassen wählten sie zum Teil nach Vorschlägen der Schulleitung aus, zum Teil zufällig. Die Ergebnisse beziehen sich auf sechs Qualitätsbereiche: Leistung, Umgang mit Vielfalt, Unterrichtsqualität, Verantwortung, Schulleben und Schule als lernende Institution. Im Anschluss an den Schulbesuch luden Jury und Schulleitung zu einem Pressegespräch ein.

„Die Schule hat gut bestätigt, dass sie zu den besten 20 gehört“, sagte Jurymitglied Wilfried Stei-nert, Schulleiter im Ruhestand und Experte für inklusive Bildung. Die hohe Qualität zeige sich auch darin, wie die Schüler im Schulalltag in Unterrichtskonzeptionen mitwirken, so Wolfgang Wildfeuer, Experte des Sächsischen Bildungsinstituts.„Die Schule stellt sich Herausforderungen und entwickelt sich mit den Herausforderungen weiter“, meinte Steinert. Dies spiegele sich in der Schülerschaft wider: Flüchtlingskinder und Migranten, besondere Schüler mit Handicaps und mit Hochbegabung hätten an der Gesamtschule ihren Platz.

Petra Madelung, Expertin für Auslandsschulen, würdigte, dass die europäische Dimension ins Schulleben einbezogen werde. So gibt es zurzeit eine Ausstellung im Foyer über die deutsch-französische Freundschaft, in der Mensa eine italienische Woche. Schulleiter Christoph Becker betonte, dass sich viele Aspekte des Schullebens über die europäische Idee ableiteten, so auch die Flüchtlingshilfe durch Schüler.Bis Ende März nominiert die Jury bis zu 15 der 20 Schulen für den Preis. Erst am Tag der feierlichen Preisverleihung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin am 29. Mai erfahren die Schulen, wer den mit 100.000 Euro dotierten Hauptpreis und die fünf weiteren, mit 25.000 Euro dotierten Preise erhält. Allein die Vorauswahl sei aber schon eine Auszeichnung, so Nora Heising von der Robert Bosch Stiftung: „Die Schule gehört jetzt schon zu den besten in Deutschland.“

 

Generalanzeiger vom 14.01.2017 von Bettina Thränhardt

 

Schon jetzt unter den Top 20

Bornheimer Europaschule bewirbt sich um den Deutschen Schulpreis

Der europäische Gedanke zieht sich durch das ganze Schulgebäude, das Christoph Becker (l.) den Juroren zeigt.

Die Schulfamilie kann jetzt schon stolz sein: Bundesweit sind noch 20 Schulen im Rennen um den "Deutschen Schulpreis 2017" und eine davon ist die Europaschule Bornheim. Zwei Tage lang haben sich sechs Juroren, allesamt Fachleute aus dem Bildungsbereich, im Hause umgeschaut, haben spontan Unterrichtsstunden besucht, haben mit Schülern, Lehrern und Eltern gesprochen, haben "tief hineingeschaut", wie es Wilfried Steinert, ehemaliger Schulleiter der Waldhofschule in Templin und auch Schulpreis-Gewinner, beschrieb. Was sie sahen, muss ihnen gefallen haben, denn mit Lob wurde gestern nicht gespart.

Schule wächst an den Herausforderungen

Die Schule habe bei genauem Hinsehen "durchaus bestätigt, dass sie zu den 20 besten in Deutschland zählt", bekräftigte Steinert. Was auf dem Papier, sprich der 14-seitigen Bewerbung stehe, "wurde vor Ort auch mit Leben gefüllt", ergänzte Dr. Wolfgang Wildfeuer, der als Referent im Sächsischen Bildungsinstitut (SBI) in Radebeul mit der Evaluation von Schulen beschäftigt ist.

Für ihn hat es eine hohe Qualität, wie an der Europaschule "Schüler im Schulalltag und an der Unterrichtskonzeption mitwirken". Dieses Mitspracherecht und die Chance, mitzugestalten lobte auch Zwölftklässler Christoph Denzin. Selbstverständlich waren Schüler eingebunden, die Juroren durch die Schule zu führen.

"Diese Schule stellt sich Herausforderungen und wächst damit", sprach Wilfried Steinert die Vielfalt an - eines der Auswahlkriterien für die Bewerberschulen. Hierbei sehe die Jury das gesamte Spektrum von den Internationalen Klassen für Flüchtlinge bis zur Betreuung besonderer Schüler - das können Menschen mit Handicap genauso sein wie Hochbegabte. "Hier kommt der europäische Rahmen zum Tragen", sagte Steinert auch mit Blick auf die UN-Konvention zur Inklusion.

Die europäische Dimension ist denn auch ein besonderer Baustein in der Bewerbung der Europaschule. "Europa ist mehr als eine Wirtschaftsunion", machte Schulleiter Christoph Becker klar, "Europa ist eine Haltung, da steht ein Ideal dahinter." Ganz selbstverständlich werde dies in den Schulalltag eingebaut, etwa mit der Darstellung der deutsch-französischen Freundschaft in der "Oase" oder einer italienischen Woche in der Mensa. "Das sind Dinge, die wenig Aufwand erfordern, aber nachhaltig wirken", analysierte Wilfried Steinert.

Gut gefallen hat der Jury offenbar auch das Schulklima. Schulsozialarbeiter, Hausmeister, sie alle würden in die Schulfamilie einbezogen, insgesamt herrsche "eine sehr aufgeschlossene Atmosphäre". Dies beeindruckte umso mehr, "weil die Schule ja aus allen Nähten platzt". Es sei ein Wunder, "dass sie so ein ruhiges Schulklima halten kann", so die Jury. Die beschlossene Erweiterung sei "eine sehr weise Entscheidung der Stadt" gewesen.

Der Bewerbungsprozess sei aufwendig gewesen, sagte Christoph Becker. Und gar nicht so einfach, alle Details zu den sechs Auswahlkriterien auf nur 14 Seiten zusammenzufassen. Das Team habe dafür intensiv zusammengearbeitet. An die Siegchancen seiner Schule geht der Sportsmann Becker ganz entspannt heran: "Wir geben unser Bestes. Alles Weitere wird sich zeigen."

81 Schulen hatten sich beworben, 20 sind noch übrig, 18 müssen die Juroren noch besuchen, vier davon in NRW. Ihre Bewertungen werden die Grundlage bilden für die Auswahl der besten sechs, die am 29. Mai in Berlin von Bundeskanzlerin Angela Merkel ausgezeichnet werden. 100 000 Euro winken dem Sieger, den fünf Platzierten jeweils 25 000 Euro.

Und wie können andere Schulen von den Besten lernen? Die Deutsche Schulakademie, ebenfalls eine Ausgründung der Bosch Stiftung und der Heidehof Stiftung, bereitet das Wissen aus der prämierten Schulpraxis auf, gießt es in Lernkonzepte und macht es anderen Lernstätten zugänglich. An den Siegerschulen sind auch einwöchige Hospitationen möglich.

ZIELE

"Dem Lernen Flügel verleihen!" Unter diesem Motto steht der Deutsche Schulpreis , den die Robert Bosch Stiftung und die Heidehof Stiftung im Jahr 2006 ins Leben gerufen haben. Begleitet wird er von den Medienpartnern stern und ARD.

Es geht umLeistung, Umgang mit Vielfalt, Unterrichtsqualität, Verantwortung, Schulleben und Schule als lernende Institution . Über die bloße Wissensvermittlung hinaus gilt es, die individuellen, sozialen und schöpferischen Fähigkeiten auszubilden. Ziel ist die Förderung von Selbstständigkeit und Leistungsbereitschaft. Das verlangt die Auflösung starrer Unterrichtsformen und die Konzentration auf die individuelle Bildung und Entwicklung jedes Einzelnen, so die Jury für den Wettbewerb. (r.)

Bonner Rundschau vom 13. Januar 2017 VON JACQUELINE RASCH