Sie sind hier: Aktuelles > Beitrag

Schüler lieben Tanzen

27. 10. 2016

 Die Schülergruppe der Europaschule in Bornheim freute sich tierisch über den tollen dritten Platz beim Landeswettbewerb „Tanzende Schulen“

In den Schulen schlummert der Nachwuchs der Tanzsportvereine

So könnte man die Zielrichtung des  TNW-Wettbewerbs „Tanzende Schulen“ umschreiben. Wir haben den Lehrer und seine Schüler aus Bornheim, die am letzten Wettbewerb  erfolgreich teilgenommen haben, interviewt.

Gibt es das überhaupt, obwohl Fußball die alles überstrahlende Sportart auch im Schulalltag ist? Der Landeswettbewerb „Tanzende Schulen“ fand im Mai dieses Jahres bereits zum zehnten Mal statt. Immerhin 16 Schulmannschaften stellten sich dem Breitensport-Wettbewerb. Doch wie kommt es dazu, dass eine Schule überhaupt eine Mannschaft zu diesem jährlichen „Kräftemessen“ sendet? Wir haben Tobias Wolf gefragt, der an der Europaschule in Bornheim dafür verantwortlich zeichnet, als Lehrer, Trainer und Organisator.
Tobias ist Lehrer für Biologie und Pädagogik und selber seit etlichen Jahren aktiver Turniertänzer.

Wie haben deine Aktivitäten an der Europaschule begonnen und wie ist der momentane Stand?

Die Europaschule Bornheim verleiht alle zwei Jahre einen pädagogischen Ehrenpreis an Menschen, die sich im Bereich der Pädagogik oder der Mitmenschlichkeit besonders verdient gemacht haben. In diesem Jahr hat der leider kürzlich verstorbene Rupert Neudeck diesen Preis in Empfang genommen. Vor einigen Jahren war der Preisträger der Tänzer und Choreograph Royston Maldoom, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kindern aus sozialen Brennpunkten durch das Tanzen wieder eine neue Perspektive zu vermitteln. In seiner Dankesrede nach der Verleihung des Preises sprach Maldoom darüber, dass Tanzen eigentlich einen viel größeren Stellenwert an Schulen haben sollte, da die Schülerinnen und Schüler dabei viel mehr lernen würden als „nur“ Tanzschritte. Inspiriert durch diese Rede entstand die Idee, einen Tanzkurs als AG für die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe anzubieten, den ich als „alter Hase im Turniergeschehen“ leiten sollte, in dem aber auch Schülerinnen und Schüler eigene Erfahrungen mit Tanz jeder Art einbringen können. Diesen Tanzkurs gibt es nun seit mittlerweile sechs Jahren und er erfreut sich immer größerer Beliebtheit. In diesem Jahr nehmen fast 50 Schülerinnen und Schüler daran teil.

Wie waren die Reaktionen auf das Angebot „Tanz in der Schule“ von Schülern, Eltern und Lehrern?

Die Reaktionen sind durchweg positiv. Besonders die Reaktionen der Schüler. In den ersten Jahren habe ich es mir zum Ziel gesetzt, mit dem Tanzkurs am Ende eines Schuljahres eine Aufführung auf die Beine zu stellen. Meist sind wir auf dem Abiball der Jahrgangsstufe 13 aufgetreten.
Das war natürlich eine prima Werbung für die kommenden Jahrgänge. Spätestens als wir auf einem Ball die Choreo zu „The Time of my Life“ aus Dirty Dancing inklusive Hebefigur aufgeführt haben, war auch den Jungen klar, dass Tanzen keine reine Mädchensache ist und so habe ich heute genauso viele Jungen wie Mädchen im Tanzkurs.
Die Eltern sind immer ganz begeistert, was ihre Kinder in so kurzer Zeit lernen können und hätten ihnen das oft gar nicht zugetraut. Von den Kollegen kommen eigentlich auch nur positive Rückmeldungen. Am meisten freue ich mich, wenn dann die Sportkollegen immer mal wieder zähneknirschend zugeben müssen, dass Tanzen ja doch ein Sport ist ...

Was hat euch dazu bewogen, am Wettbewerb „Tanzende Schulen“ teilzunehmen?


Irgendwann habe ich dann beschlossen, dass Aufführungen am Ende des Schuljahres zwar sehr publikumswirksam sind, aber den Schülerinnen und Schülern eben doch nur einen sehr kleinen Einblick in die Vielfalt des Tanzsportes ermöglichen. Deshalb habe ich mich entschieden, mehr verschiedene Tänze zu unterrichten und mehr Wert auf Figuren und Technik als auf die perfekte Inszenierung eines einzigen Auftritts zu legen. Etwa zeitgleich erfuhr ich von diesem Wettbewerb und gab
die Idee an meine Schüler weiter. Die waren zwar anfangs skeptisch, ob wir denn da eine Chance haben würden, ließen sich dann aber doch dafür begeistern. Und da der Wettbewerb immer sehr viel Spaß macht und wir auch schon einige Erfolge dort verbuchen konnten, machen die Kurse jedes Jahr gerne wieder mit.

Welche Kontakte (Vereine, Trainer) haben dir beim Aufbau des Schulangebots geholfen?


Ich trainiere selber im TGC Rot-Weiß Porz und habe eine Gruppe von Schülern schon mal mit zum Vereinstrainer Oliver Kästle genommen, um das Potenzial meiner Schüler fachmännisch begutachten zu lassen. Da die Gruppe viel Lob bekommen hat und sehr viel Spaß an dem Probetraining hatte, hat der TGC nun eine Breitensportgruppe ins Leben gerufen, um meine Schüler weiter für das Tanzen zu begeistern und vielleicht demnächst sogar in die Turniertrainingsgruppe aufzunehmen.

Wie bekommst du die Schüler für den Wettbewerb motiviert?

Das ist leicht. Wenn die Schüler erst mal merken, wie viel Spaß tanzen macht und dass man dabei durch ein bisschen Anstrengung auch schon erste Erfolge haben kann – zum Beispiel, wenn andere Schüler staunend zuschauen – sind sie meist auch ganz heiß darauf, ihr Können unter Beweis zu stellen. Außerdem spricht sich natürlich unter den Schülern auch herum, dass der Wettbewerb einfach sehr viel Spaß macht.

Wie sehen die Pläne an der Europaschule für die nächsten Jahre aus?

Ganz klar: Wir wollen wieder teilnehmen und natürlich am liebsten nochmal den Pokal nach Hause holen!

Und so sehen die Schüler das Tanzangebot an ihrer Schule:


Warum hast du dich dazu entschieden, bei dem Tanzkurs mitzumachen?

Leo:
Weil Tanzen Spaß macht und auch was fürs Leben bringt. Das ist wie Fahrrad fahren – wenn man einmal Langsamer Walzer kann, verlernt man das auch nicht mehr.

Daniel:
Außerdem kommt man beim Tanzen in engeren Kontakt mit der Damenwelt, das ist ja auch nicht zu verachten...

Was hat dir in diesem Kurs besonders viel Spaß gemacht?

Talal: Dass man mal mit jedem aus dem Kurs tanzen konnte und auch, dass man schon relativ schnell Fortschritte gemacht hat.

Emily: Die lockere Atmosphäre und die gute Musik und vor allem das Miteinander mit den anderen Schülern.

Wie waren die Reaktionen deiner Mitschüler auf deine Teilnahme am Tanzkurs?

Emily:
Die fanden das zuerst komisch, aber nachdem sie gesehen haben, was wir alles können, haben sie bereut, dass sie nicht auch mitgemacht haben. Ein Freund von mir hat sich sogar im Nachhinein von Herrn Wolf die Schritte beibringen lassen, um doch noch in dem Kurs mitmachen zu können.

Wie fandest du die Teilnahme am Wettbewerb der „Tanzenden Schulen“?


Talal: Das war sehr aufregend. Ich war vor jedem Tanz total nervös. Aber sobald man auf der Fläche stand, lief es ganz von alleine.

Leo:
Es war toll, auf der Tanzfläche zu stehen und von den anderen angefeuert zu werden, das war ein unglaubliches Gemeinschaftsgefühl.

Wirst du auch nach dem Kurs das Tanzen in irgendeiner Form weiter verfolgen?

Daniel: Auf jeden Fall. Wir machen ja noch ein Jahr mit Herrn Wolf weiter und sind jetzt auch im TGC in Porz. Eine Schülerin aus dem letzten Abiturjahrgang hat in diesem Jahr sogar schon bei der danceComp in Wuppertal gewonnen. Das will ich auch mal erreichen!

Das Interview führte Robert Soencksen

Quelle:
Öffnet externen Link in neuem Fenstertanz mit uns 10/2016 "Das Infomagazin des des Tanzsportverbandes NRW"