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Ziel ist es, Essstörungen vorzubeugen

09. 07. 2016

 Stellen ihre Ergebnisse zu Thema „Körperwahrnehmung" vor: Die Mädchen und Jungen der 10b. FOTO: ROLAND KOHLS

Zehntklässler befragen 1000 Schüler aller Klassenstufen der Europaschule nach ihrer Traumfigur

Glaubt man einer repräsentativen Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, leiden in Deutschland 2,4 Prozent der 13- bis 18-jährigen Mädchen und 0,9 Prozent der Jungen im gleichen Alter an einer Essstörung. Einer der Gründe liegt oft in einem unrealistischen Schönheitsideal. An diesem Punkt setzt die Europaschule Bornheim an: Mit Unterricht im Fach Ernährungslehre möchte sie ihre Schüler über das Thema informieren und Essstörungen so vorbeugen.

In einem fünfwöchigen Projekt untersuchte die Klasse 10b unter Leitung von Lehrerin Gabriele Goerlich nun die Vorstellungen ihrer Mitschüler zum Thema „Traumfigur". Sie befragten 1000 von 1400 Schülern aus allen Klassenstufen und 30 der rund 150 Lehrer ihrer Schule. Dazu zeigten sie Abbildungen von schematisierten Personen von ganz dünn bis ganz dick in insgesamt acht Stufen.

Ihre erste Frage: „Wie willst du aussehen?" In einem zweiten Durchgang kreuzten die Befragten an, welche Figur ihr Traumpartner haben sollte. Anschließend werteten die Zehntklässler aus, wie viel Prozent ihrer Mitschüler beziehungsweise Lehrer welche Figur bevorzugten. Die Ergebnisse bewerteten sie als positiv.

„Die Medien manipulieren die Vorstellung von der Traumfigur durch Sendungen wie Germany's Next Topmodel'. Die Schüler unserer Schule finden sich aber eher im Normalgewicht attraktiv", meint Kaouthar (16). Die Mittelstufe hätte die „gesündesten Ergebnisse". Hier kreuzten die Schü-ler größtenteils die Figuren vierund fünf an, die im Normalbereich liegen.

In der Unterstufe in den Klassen fünf bis sieben geben die Mädchen nach den Umfrage-Ergebnissen ein etwas schlankeres Körperbild als Idealbild an. Dafür gibt es aber eine plausible Begründung, meinen die Zehntklässler: Die Schüler hätten in diesem Alter ohnehin noch eine schlankere „Kinderfigur". Kritisch merkt Pauline (16) dazu an: „In der Unterstufe wird man eher noch gemobbt, wenn man etwas dicker ist." In den höheren Klassen hätten die Schüler eher ein Bewusstsein dafür, dass man das nicht tun sollte. Lehrerin Gabriele Goerlich meint, die älteren Schüler hätten ein größeres Selbstbewusstsein und würden daher eher zu ihrer Figur stehen.

Bei den Jungen zeigte sich in der Unterstufe ebenfalls der Trend zu einer dünnen Figur. In der Mittel- und Oberstufe wollten sie aber eher muskulöser aussehen. Dabei verlangen sie von sich sogar eine muskulösere Figur, als die Mädchen sie sich wünschen, so Goerlich. „Eine Schülerin meinte ganz offen: Ich will doch kein Brett umarmen! ", so die Lehrerin. „Wir können mit den Ergebnissen sehr zufrieden sein", sagt Goerlich. Dieses Bild spiegele sich auch bei einem Gang durch die Klassen wider. Den Lehrern seien, an der Europaschule sehr wenige Fälle von Essstörungen bekannt. Auch gebe es wenige stark übergewichtige Kinder. Warum das so sei, darüber könne sie nur spekulieren. Goerlich: „Das könnte ein weiteres Schulprojekt werden." Möglicherweise habe es mit dem ländlichen Einzugsgebiet zu tun. Außerdem arbeite die Schule mit dem Fach Ernährungslehre gezielt darauf hin, die Schüler gegen Essstörungen stark zu machen.


Generalanzeiger vom 30.06.2016 von BETTINA THRÄNHARDT