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Chemie ohne Reagenzglas

22. 02. 2016

 In einem Seminar an der Bonner Uni erhalten die Europaschüler eine theoretische Einführung in die Methoden der Computerchemie und lernen auch die Praxis kennen. FOTO: EUROPASCHULE

Die Europaschule kooperiert mit Leibniz-Preisträger Stefan Grimme von der Universität Bonn

Ganz besonderen Unterricht erhalten Schüler der Bornheimer Europaschule. Wie Leiter Christoph Becker berichtet, ist es der Schule gelungen, eine Kooperation mit dem Leibniz-Preisträger Stefan Grimme von der Universität Bonn aufzubauen. Grimme wurde 2015 im Bereich der theoretischen Chemie für seine Forschungen mit dem über 2,5 Millionen Euro dotierten Preis durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet.

In der Kooperation geht es Becker zufolge um die sogenannte virtuelle Chemie. Mit Hilfe moderner Computertechnologie und hoch entwickelter Software sei man heutzutage in der Lage, eine Vielzahl von Materieeigenschaften mit sehr guter Genauigkeit vorherzusagen.

Hierdurch könnten einerseits teure oder schwierige Experimente durch eine virtuelle Chemie ersetzt werden. Andererseits könne die Theorie auch molekulare Systeme untersuchen, die dem Experimentator schwer oder gar nicht zugänglich seien, „etwa giftige oder instabile Substanzen", so Becker weiter.

Im Schulalltag sei dies nicht möglich, da weder die notwendigen Programme noch Rechnerressourcen vorhanden seien, berichtet der Schulleiter. Daher nehmen die Schüler der Chemiekurse der Jahrgangsstufe 12 an einem eintägigen Seminar an der Universität Bonn teil. Becker: „In diesem praktischen Seminar werden sie von Doktoranden aus der Arbeitsgruppe unter der Leitung von Professor Grimme betreut." Die Jugendlichen erhielten einerseits eine theoretische Einführung in die Methoden der Computerchemie. Andererseits könnten sie Methoden praktisch erproben, indem sie vorbereitete Aufgaben am Computer bearbeiten. „Die Lerngruppe wird sehen, wie Chemie funktionieren kann, ohne ein Reagenzglas zu verwenden", führt Becker aus. Der Kontakt zu Grimme sei zufällig entstanden.

Wie Becker erläutert, sei die Frau des Professors Lehrerin an der Europaschule. So sei man ins Gespräch gekommen. Becker: „Grimme war sofort aufgeschlossen und begeistert für eine solche Kooperation."

Bonner Generalanzeiger vom 11.02.2016 von CHRISTOPH MEURER