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Sie wollen auf Augenhöhe beraten

15. 12. 2015

 Ließen sich von Mitarbeitern der Landesanstalt für Medien ausbilden (v.l.): Alia Drescher, Nora Schaaf und Julius Mießeler. Foto: Roland Kohls

Soziale Medien machen Spaß und vereinfachen vieles: Mal eben per WhatsApp eine Verabredung klar machen, ein Urlaubsfoto auf Facebook posten, Lieder oder Spiele herunterladen - für viele Schüler ist das Smartphone zum ewigen Begleiter geworden.

Doch der allzu leichtfertige Umgang mit dem Gerät kann auch deutlich negative Folgen haben. Cybermobbing via Facebook, brutale Videos im WhatsApp-Klassenchat, Einstellen von urheberrechtlich geschützten Videos bei YouTube oder illegale Film- und Musikdownloads - die Mediennutzung von Heranwachsenden macht vor der Institution Schule nicht halt. Genau hier setzt das Medienkompetenzprojekt "Medienscouts NRW" der Landesanstalt für Medien an, das seit Beginn des Schuljahres an der Bornheimer Europaschule durchgeführt wurde.

Der Leitgedanke besteht darin, Jugendliche in Medienthemen und in ihrer Beratungskompetenz zu schulen, sodass diese dann ihren Mitschülern für Fragen rund um das Thema Medien zur Verfügung stehen. "Ziel ist die Beratung auf Augenhöhe", erklärt die Medienberaterin der Europaschule, Jutta Heimann-Feldhoff. "Viele Schüler fühlen sich wohler, wenn sie sich mit Fragen und Problemen an Altersgenossen wenden können, als sich einem Lehrer anzuvertrauen", ergänzt Alia Drescher, die sich gemeinsam mit ihren Mitschülern Nora Schaaf, Julius Mießeler und Lukas Schumacher (alle 13) zum "Medienscout" ausbilden ließ.

Wichtig ist, nichts Persönliches preiszugeben

Zwei Mitarbeiter der Landesanstalt für Medien nutzten die sechs Fortbildungstage, die in einem Zeitraum von drei Monaten stattfanden, um die Schülerinnen und Schüler der achten Klasse fit in Datenschutzfragen und Internetsicherheit zu machen.

"In diesem Bereich haben wir viel gelernt - etwa, dass man unterschiedliche Passwörter benutzen und nichts Persönliches im Internet preisgeben soll", nennt Nora Schaaf einige Beispiele. Darüber hinaus wurden in der Ausbildung zum "Mediencoach" auch die Themen soziale Netzwerke und Cybermobbing behandelt. "Nun wissen wir, wie wir betroffene Schüler beraten können", meint Nora Schaaf. "Bei allem, was man im Internet tut - man muss sich immer im Klaren sein, dass nichts aus dem Netz verschwindet." Daher sei Vorbeugung der wichtigste Schritt, um Probleme zu vermeiden.

Im Anschluss an die Fortbildung sollen die "Medienscouts" in der Lage sein, selbst als Referenten zu agieren, ihre Mitschüler zu qualifizieren und Ansprechpartner bei medienbezogenen Fragen und Problemen zu sein. Unterstützt werden sie dabei von den beratenden Lehrern Albina Daitche, Melanie Schumacher und Roland Hoß. "In wirklich schwerwiegenden Fällen werden wir die Lehrer natürlich um Hilfe bitten", ergänzt Alia Drescher.

In einem ersten Schritt wollen die vier "Medienscouts" nun dafür sorgen, dass ihr Angebot in der Schule bekannt wird. Ihre Beratungsfunktion richtet sich vor allem an die Fünft- bis Achtklässler. Schulleiter Christoph Becker hält den kompetenten und verantwortlichen Umgang mit Medien für ein wichtiges Thema in der Schule: "Das Angebot der 'Medienscouts' ist nur ein Baustein im Bereich der Medienkompetenz, den wir an unserer Schule vermitteln", betont Becker. "Ihr Vorteil besteht darin, immer auf dem neuesten Stand zu sein und ihre Peergroup aufgrund eines ähnlichen Mediennutzungsverhaltens auf Augenhöhe aufklären zu können."

Medienscouts

Die Landesanstalt für Medien NRW (LfM) hat 2012 das Projekt "Medienscouts NRW" erstmals NRW-weit und mit Unterstützung der Kommunen durchgeführt. Leitgedanke des Medienkompetenz-Projekts ist es, Jugendliche in Medienthemen und in ihrer Beratungskompetenz fit zu machen, so dass diese dann nach dem Peer-Education-Ansatz ihren Mitschülern für Fragen rund um das Thema Medien zur Verfügung stehen. Das Projektkonzept richtet sich an alle Schulen der Sekundarstufe I.

 

Bonner Generalanzeiger vom 15.12.2015 von Sonja Weber