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Wie verhalten sich Öl und Wasser im Weltraum?

29. 08. 2006

 

RAUMFAHRT Das deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt ruft
14000 Schulen zu einem Experiment auf. Der Astronaut Thomas Reiter
führt in der Schwerelosigkeit den gleichen Versuch durch

KÖLN-PORZ. Was passiert, wenn man Wasser und Öl in einem Glas vermischt, schüttelt und dann eine Weile stehen lässt? Mehrere Schüler arbeiten an dieser Fragestellung, nichts kann sie von ihrem Experiment ablenken. In Vierergruppen stecken sie die Köpfe zusammen und diskutieren. Vor ihnen auf den Tischen stehen gefüllte Schraubdeckelgläser. Damit man die Grenze zum Öl besser sieht, ist das Wasser rot gefärbt. Daneben liegen einige Wischtücher aus Papier – schließlich kam bei Versuchen auch einmal etwas danebengehen. Eifrig schreiben  die Schüler ihre Beobachtung in Blöcke. Die Sechstklässler der Europaschule in Bornheim führen im Nutzerzentrum für Weltraumexperimente des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln-Porz den Versuch vor, zu dem nun 14000 Schulen in Deutschland aufgerufen sind.
   Die Schüler der fünften und sechsten Klassen sind dabei Kollegen von Thomas Reiter, dem ersten Deutschen auf der Internationalen Raumstation (ISS).Rund 400 Kilometer über den Köpfen der Nachwuchsforscher in einer Umlaufbahn um die Erde schwebend, führt Reiter das gleiche Experiment durch. Sein Gefäß ist allerdings eine Sonderanfertigung: Es verfügt über doppelte Wände. Sie sollen im Falle einer Beschädigung des Behälters verhindern, dass Öl und Wasser die empfindlichen Geräte in der Raumstation beschädigen .Während auf die Schüler und die von ihnen geschüttelten Flüssigkeiten die Gravitation wirkt, sind der Astronaut und sein Gemisch vollkommen schwerelos im Orbit.
   Was auf der Erde damit passiert, haben die Sechstklässer bereits herausbekommen. Das Öl ist in Blasen aufgestiegen, berichtet Lara dem gespannten Publikum. Klar, Öl und Wasserlassen sich nicht mischen. Das leichtere Öl schwimmt also auch nach oben. Doch Lara hat noch etwas genauer hingesehen – schließlich besucht sie an der Bornheimer Europaschule die “Science” – Klasse, in der die Schüler fachübergreifend an die Naturwissenschaften herangeführt werden. “Große Blasen sind länger unten geblieben als kleine”, schildert sie ihre Beobachtung, die sie vorher akribisch protokolliert hat. Doch nun kommt die eigentliche spannende Frage: “Was passiert mit den Flüssigkeiten bei Thomas Reiter auf der Raumstation nach dem Schütteln? Die Schüler sollen Hypothesen bilden – wie richtige Forscher. “Öl und Wasser vertragen sich nicht und wollen deshalb nicht zusammenkommen”, lautet einhellig die Ausgangsvermutung der Bornheimer Schüler, “Wir glauben, dass das Öl im Wasser eine Kugel bilden wird”, sagte Schülerforscher Max. Beide mögen möglichst wenig miteinander in Berührung kommen.” Alle Schüler nicken eifrig. Ob die Bornheimer Nachwuchswissenschaftler damit richtig liegen, wird nicht verraten. Denn zunächst sollen auch die anderen Schüler in Deutschland ihre Hypothesen formulieren.
   “Wir möchten mit unserer Faszination Raumfahrt Schulkinder für Naturwissenschaften begeistern”, sagt Hartmut Ripken, Leiter der Schul- und Jugendprojekte der DLR. Raumfahrtforschung sei zukunftsgerichtet, pflichtet ihm Jean Coisne vom Europäischen Astronautentrainingszentrum bei. “Die Erde ist ein Raumschiff, und wir sind alle Astronauten.” Derweil ist der Funke bei den Bornheimer Europaschülern bereits übergesprungen. “Die Begeisterung für die Raumfahrt ist jetzt da “, meint Max. Er möchte nun unbedingt auch einmal ohne Gravitation hinschweben – am liebsten im Schwerelosflieger,, Zero G”.
   Jeder, der will, kann bei den Experimenten noch mit machen. Das DLR hat für Lehrer Begleitmaterial für den Unterricht vorbereitet, außerdem können Experimentiersets zum Preis von 24,95  € zuzüglich Porto bestellt werden. Allerdings sind die nötigen Utensilien - Schraubdeckelglas, Speiseöl und Wasser - auch in jedem Haushalt zu finden. Die Auflösung des Experimentes mit Originalvideoaufnahme von Thomas Reiter und dem Schülerexperiment ist am 23. September, 9 Uhr, im ZDF Kindermagazin ,,Pur+” und später auch im Internet zu sehen. Infos unter www.school-in-space.de

(Bonner Generalanzeiger vom 29.08.2006 von Johannes Seiler)