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Mit dem z/weiten Blick sieht man besser

02. 12. 2014

 Die Schüler (v.l.) Angelique Gerasch, Leon Naatz und Pia Rink eröffneten mit Lehrer Alexander Christov, Frederike Schneider vom Jugendamt und dem stellvertretenden Schulleiter Andreas Kreutzer die Ausstellung „Der z/weite Blick". (Foto: WDK)

„Ein Vorurteil zerbricht, sobald es in Frage gestellt wird." Markus Schnapka, Schuldezernent der Stadt Bornheim, zeigte sich beeindruckt von der Aussagekraft der Ausstellung „Der z/weite Blick", die Anfang November in der Bornheimer Europaschule (ES) zu sehen war. Sie befasst sich mit unterschiedlichen Diskriminierungsformen und Strömungen innerhalb jugendlicher Subkulturen. „Diese Ausstellung fordert immer wieder die Frage: Stimmen meine Vorurteile oder vorschnellen Einschätzungen eigentlich? Gerade weil sie auf den ersten Blick sehr textlastig ist, befördert sie eine anspruchsvolle Auseinandersetzung mit der jeweiligen Thematik." So ermögliche der zweite Blick häufig erst den weiten Blick und ermögliche so die Überwin-dung von Engstirnigkeit, Diskriminierungen und Benachteiligungen. Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Homophobie sind nur einige täglich erfahrbare Vorurteile. In den jugendlichen Subkulturen kommen jede Menge wechselseitiger Be- und Abwertungen hinzu. Neben den offenen existieren viele verdeckte Vorurteile. Gruppenzugehörigkeit und Abgrenzung gegen andere können fatale Konsequenzen nach sich ziehen. „Denn nichts ist verbindlicher als ein Vorurteil", so Schnapka.
„Man sollte immer genau hinschauen und hinhören, bevor man über andere urteilt beziehungsweise sie verurteilt", sah die 15jährige Schülerin Pia Rink den Wert dieser Aktion. Ihre Mitschülerin Angelique Gerasch (16) ergänzte: „Gerade in unserem Alter ist die Auseinandersetzung mit Vorurteilen von besonderer Bedeutung, denn auch in der Schule werden wir oft damit konfrontiert." Zwar sei die ES diesbezüglich nicht besonders gefährdet, aber ein „frühzeitiges Erkennen ermöglicht ein frühzeitiges Reagieren", erläuterte der stellvertretende Schulleiter Andreas Kreutzer. In der ES werden derzeit 1.500 Schüler aus über 20 Nationen unterrichtet. In ganz Bornheim leben derzeit Menschen aus 109 Nationen.
Die vom Berliner Archiv der Jugendkulturen konzipierte Ausstellung wurde von Heike Zerfowski, didaktische Leiterin der ES, und Frederike Schneider vom städtischen Jugendamt nach Bornheim gebracht. Derzeit wird überlegt, ob die Ausstellung auch an anderen weiterführenden Schulen der Stadt gezeigt werden kann. (WDK)

Wo Punks auf Hip-Hopper treffen




Die Schau "Der (z)weite Blick" in der Bornheimer Europaschule widmet sich dem Thema Jugendkultur. Dabei geht es vor allem um Vorurteile, Diskriminierungen und Benachteiligungen.

Vor 30 Jahren galt die schwarz-weiße Kufiya, durch den Nahostkonflikt in Palästina auch als "Palästinensertuch" oder PLO-Tuch bekannt geworden, als Symbol einer politisch linken Gesinnung. Heute wird es von "Autonomen Nationalisten", jugendlichen Nazis, getragen.

Von Vorurteilen, deren Diskriminierungsformen und Strömungen innerhalb jugendlicher Subkulturen handelt die Ausstellung "Der (z)weite Blick" in der Europaschule Bornheim, die von Sozialdezernent Markus Schnapka eröffnet wurde und noch bis Mittwoch zu sehen ist.

Mit dabei waren auch die Initiatorinnen der Ausstellung, Heike Zerfowski, didaktische Leiterin der Europaschule, Friederike Schneider vom Jugendamt der Stadt Bornheim sowie Andreas Kreutzer als stellvertretender Schulleiter. Ob Frauenfeindlichkeit in der Hip-Hop-Szene, Homophobie im Fußball, Antisemitismus, Techno, Heavy Metal, Punks, Gothic oder Emo - die Vielfalt an jugendlichen Subkulturen, die sich in Musik, Sprache oder Kleidung zeigt, ist breit gefächert. Und oft sind mit den einzelnen Stilrichtungen Vorurteile verbunden, die manchmal sogar in den normalen Sprachgebrauch übergegangen sind.

So wie zum Beispiel bei stereotypen Vorurteilen wie "Alle Zigeuner sind kriminell". "Die Ausstellung soll Anregungen geben, über Dinge nachzudenken und die eigene Sichtweise zu hinterfragen", sagte Heike Zerfowski. Deshalb heißt die Schau auch der "(z)weite Blick". Gemeint ist damit ein genaueres, zweites Hinschauen und ein weiter gefasster Blick in eine Szene. Konzipiert hat die Ausstellung das Archiv der Jugendkulturen Berlin.

"Zunächst fand ich alles zu textlastig, musste dieses Vorurteil aber revidieren", so Sozialdezernent Schnapka. "Ziel ist es, den Blick für die verschiedenen Diskriminierungen und Benachteiligungen zu schärfen und für diese Problematik zu sensibilisieren."

Die Ausstellung kann noch bis Mittwoch, 12. November, in der Oase der Europaschule, Goethestraße 1, besucht werden. Besonders angesprochen sind alle Schulklassen und Bildungseinrichtungen im Stadtgebiet. Anmeldungen nimmt Heike Zerfowski unter heike.zerfowski@europaschule-bornheim.de oder Tel. 02222/94170 entgegen.

 

Bonner Generalanzeiger vom 11.11.2014 von Susanne Träupmann