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Medienprojekt: Keine Angst vor großen Fragen

11. 12. 2013

 Am Computer: Schüler beim Medienprojekt. Foto: Tobias Pollmüller

Tippt man Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.neurodiskurs.de in die Adresszeile des Internetbrowsers ein, so gelangt man auf eine Website mit drei Kurzfilmen hiesiger Schulen zu ungewöhnlichen Themen. So zeigt ein Kurzfilm der Europaschule Bornheim das Leben eines Unbekannten im Schnelldurchlauf: vom Kindergarten bis zum Berufseinstieg und immer durch die Augen des Protagonisten.

Am Ende steht der Hauptdarsteller vor dem Spiegel und erschrickt: Ist er womöglich überhaupt nicht willensfrei?

Neurowissenschaftliche und philosophische Fragen wie diese standen im Mittelpunkt des Diskursprojektes "Mediale Bildwelten und Neurowissenschaften", das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und vom Institut für Wissenschaft und Ethik der Uni Bonn durchgeführt wurde.

"Ziel des Projektes war es, die Medienkompetenz der Schüler zu stärken und ausgesuchte Themenfelder der modernen Hirnforschung zielgruppengerecht zu vermitteln", erklärt Projektleiter Tade Matthias Spranger. Dabei haben auch das Aloisiuskolleg und die Elisabeth-Selbert-Gesamtschule in Bad Godesberg binnen zwei Jahren mediale Bild- und Ideenwelten aus Film und Fernsehen zu den Diskursthemen "Hirn-Computer-Schnittstellen", "Neuroenhancement" und "Willensfreiheit, Schuld und Strafe" analysiert. Am Ende haben sie ihre Sicht auf die Themen mit Hilfe des Medienpädagogen Tobias Pollmüller in Kurzfilmen umgesetzt.

"Unser Thema Willensfreiheit war mit vielen Diskussionen verbunden", sagt Leo Jansen (16) von der Europaschule, "weil wir uns erst mal einig werden mussten, sind wir überhaupt frei oder nicht". Wir sind, glauben die Schüler. Die Frage ist aber auch wissenschaftlich umstritten.

Mit dem Thema "Computer-Schnittstellen" im Gehirn hatten die Schüler des Aloisiuskolleges ein ähnlich brisantes Thema zu bearbeiten. So helfen sogenannte Brain-Computer-Interfaces (BCI) beispielsweise Menschen mit Locked-in-Syndrom bei der Kommunikation, indem eine Verbindung zwischen dem Gehirn und einem Computer hergestellt wird.

Für Projektleiter Tade Matthias Spranger zeigen die Filme des Diskursprojektes, wie wichtig es ist, jungen Menschen zuzutrauen, sich hochkomplexe Themen eigenständig zu erarbeiten. "Die Filme bieten eine ganz frische und bereichernde Perspektive auf neurowissenschaftliche Themen."

(General-Anzeiger vom 10.12.2013)