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Der Umweltbus kam zur Europaschule

11. 10. 2013

 Forschen im Umweltbus: die Europaschüler konnten vieles entdecken. Foto: Frank Engel-Strebel

Forschen und Entdecken

Ab ins rollende Klassenzimmer. Einen Tag lang drückten die Schüler der 7. Klasse der Europaschule, die das Wahlpflichtfach CEB (Chemie - Ernährung - Biologie) belegt haben, nicht die Schulbank, sondern machten sich auf eine Erkundungstour im Waldstück zwischen Uedorf und Bornheim. Mit LUMBRICUS, dem Umweltbus der Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW (NUA) konnten die Mädchen und Jungen sammeln, forschen und vor allem vieles entdecken, was im Verborgenen liegt. "Mit diesem Projekt möchten wir den Schülern ein Bodenbewusstsein vermitteln", erklärte Lehrerin Annette Binger. Sie nahmen Arbeitsproben aus dem Wald, die sie dann analysierten. Anhand der Bodenproben wurde der Säuregehalt bestimmt, Laub angeguckt und dessen Zerfall beobachtet oder die Tierwelt analysiert. So fanden die Schüler neben Spinnen, Käfern, Ameisen und Larven auch Bandfüßer oder Steinkriecher.

Der Umweltbus ist seit 1992 als mobile Umweltstation in ganz NRW unterwegs. Mit der technisch hochwertigen Ausstattung der Busse (2001 kam ein zweiter hinzu) können Wasser-, Boden- und Lärmuntersuchungen direkt im Gelände vorgenommen werden. 26 Arbeitsplätze und eine mobile Laborausrüstung mit Mess- und Analysegeräten, Arbeitsmaterialien für den Naturkundeunterricht sowie Videoanlage, Digitalkameras und Computer zu Dokumentationszwecken gehören zur vielseitigen Ausrüstung der Fahrzeuge. Jugend- und Erwachsenengruppen oder Schulklassen weiterführender Schulen können den Umweltbus für einen Tag kostenlos anfordern. In Bornheimer vor Ort war LUMBRICUS-Mitarbeiter Ottmar Hartwig.

(Schaufenster vom 09.10.2013)

Schüler erkunden den Wald

Tom, Fabian, Frank und Daniel stehen mit einem Pürckhauer Bohrstock in der Hand mitten in einem Waldstück an der Uedorfer Straße in Bornheim und rammen den Hohlmeißelbohrer mit einem schweren Hammer in den weichen Boden. So wollen sie verschiedene Erdschichten aus dem Boden entnehmen, um diese anschließend zu analysieren.


Unterricht mal anders: Während Adriana und Jana die chemische Analyse des pH-Werts übernehmen, treiben Frank, Daniel, Fabian und Tom einen Bohrstock in den Boden. Foto: Kohls

Die Jungen sind Schüler des CEB-Kurses (Chemie, Ernährung, Biologie) der siebten Klasse der Europaschule Bornheim. Sie sollen mit ihrer Klasse im und mit dem Lumbricus-Bus das Thema "Boden" hautnah kennenlernen und bearbeiten.

Der Umweltbus der Naturschutz- und Umweltschutz-Akademie NRW richtet sich seit 1992 als rollendes Klassenzimmer an alle Schultypen der Sekundarstufen I und II. Praxisorientiertes und arbeitsteiliges Handeln gehören zum Lumbricus-Einsatz. "Wir wollen den Kinder klarmachen, dass der Boden ein lebendes Ökosystem ist", sagt Ottmar Hartwig, ehemals Lehrer für Biologie und Erdkunde, jetzt Umweltpädagoge bei der Akademie. Und die Zwölf- bis 14-Jährigen sind mit Feuereifer bei der Sache.

Während Tom, Fabian und Frank mit der Bodensuche beschäftigt sind, ergreifen ihre Mitschüler kleine Plastikschüsseln und Schaufeln. Sie sollen Bodenproben nehmen, in denen anschließend im Bus einzelne Bodentiere wie Würmer, Hundertfüssler und Springschwänze separiert, unter dem Mikroskop bestimmt und die Ergebnisse in einem Protokoll eingetragen werden.

Jede Aktion wird mit der Kamera festgehalten, um einen Film zu erstellen, der in den nächsten Tagen im Unterricht den Schülern noch einmal das Erfahrene verdeutlichen soll.

Für Lehrerin Annette Binger ist der Unterricht in der Praxis eine gute Ergänzung zur Schule. "Wir haben systematisch festgelegt, dass in den Klassen sechs und sieben die Elemente Feuer, Wasser, Erde und Boden bearbeitet werden. Jetzt, in der Klasse sieben, war die Bodenstruktur dran. Dazu passte es genau, die Natur mit dem Bus erfahrbar zu machen."

Im Bus finden Tom, Fabian, Frank und Daniel beispielsweise heraus, dass der Bodentyp eine Parabraunerde ist und die Bodenart ein lehmiger Sandboden. Ziel des Projekttags war es, dass die Schüler einen Bezug zu ihrer Umwelt erhalten. "Die selbst gewonnenen Einsichten hinterlassen einen tieferen Eindruck als das theoretische Lehrbuchwissen", ist die Erfahrung von Hartwig.


(Bonner Generalanzeiger von 02.10.2013 von Susanne Träupmann)