Sie sind hier: Aktuelles > Beitrag

Lernen auf der Überholspur

04. 05. 2006

 

Bornheimer Europaschule startet Modell für
individuelle Schullaufbahn

Aus dem NRW-Ministerium erhielt die Gesamtschule jetzt die Genehmigung für ihr Projekt.

Bornheim - In den seltensten Fällen lässt sich bei Schülern bereits in der fünften Klasse exakt ihre Schullaufbahn prognostizieren: ob sie den Weg bis zum Abschluss im schnellen oder eher im normalen Tempo absolvieren, ob sie Hindernisse locker überspringen oder mühselig drüberkraxeln müssen, hängt von ganz verschiedenen Faktoren ab. Die Europaschule in Bornheim hat als Gesamtschule daher ein Modell entwickelt, das erlaubt, im Verlauf des Weges zu entscheiden, wohin die Reise geht - und wie lange sie dauern soll.

Wie Schulleiter Klaus Breil erläutert, hat das Kollegium der Europaschule in sechs Monaten unter der Überschrift "Individuelle Schullaufbahn" das Modell erarbeitet, das jetzt vom Schulministerium in Düsseldorf abgesegnet wurde. Damit wird es der Europaschule als erster Gesamtschule in NRW erlaubt, im Zuge der von der Landesregierung beschlossenen neuen gymnasialen Oberstufe nicht nur das Abitur nach zwölf Jahren zu ermöglichen, sondern dabei auch zwei Varianten anzubieten: Schüler können sowohl eine dreijährige Oberstufe durchlaufen, die nach fünf Schuljahren beginnt oder eine dreijährige Oberstufe, die nach sechs Jahren beginnt. Das Modell greift bereits für die jetzigen fünften Jahrgangsstufen.

Hintergrund ist, dass die Landesregierung davon ausgeht, dass Schüler der Haupt-, Real- und Gesamtschulen in der Regel ein Jahr mehr benötigen als Gymnasiasten, um die für die allgemeine Hochschulreife erforderlichen Standards zu erreichen. Deshalb sollen Gesamtschüler normalerweise nach wie vor nach der Klasse 10 in die Oberstufe eintreten und nach 13 Schuljahren das Abitur machen. Nur besonders leistungsfähige Gesamtschüler können die Einführungsphase der Oberstufe überspringen und nach zwölf Jahren Abitur machen.

Dass dies in der Europaschule - in der potenzielle Gymnasiasten und Realschüler einen hohen Anteil haben - mit dem neuen Modell nun anders laufen soll, wird durch die "individuelle Begabungsförderung" ermöglicht. "Wir lassen den Schülern die Freiheit, zu bestimmen, ob sie im Turbo- oder Normalgang zum Abitur gelangen wollen", erläutert Breil. Dazu gibt es "Forderunterricht", bei denen die Schüler Credits sammeln müssen. Diese Credits erhalten sie nur, wenn sie in einem Fach die Noten "befriedigend", "gut" oder "sehr gut" erhalten. Wer zügig Credits anhäuft, kann auch früher in die Vorbereitungsphase der Oberstufe eintreten. Wer langsamer ist, wird durch Förderunterricht unterstützt. "Durch dieses individuelle Fordern und Fördern müssen die Langsameren nicht Klassen wiederholen, und den Schnelleren bleibt das Überspringen erspart, das ebenfalls Probleme mit sich bringt", erläutert Breil.

Gefördert wird das Modell von der Deutschen-Telekom-Stiftung, die die Bornheimer Europaschule mit ihren 1451 Schülern Anfang 2005 als eine von vier Modellschulen in Deutschland auswählte. Mittels dieser Partnerschaft ermöglicht die Stiftung jetzt unter anderem eine wissenschaftliche Begleitung des neuesten Projektes durch die Technische Universität Darmstadt.

(Kölner Stadt-Anzeiger vom 04.05.2006 von Alexandra Klaus)