Sie sind hier: Aktuelles > Beitrag

Rund 450 Jugendliche kamen zur Berufsmesse

24. 09. 2012

 Christian, der eine Ausbildung zum Werkzeugmacher macht, stellt bei der Informationsbörse das alte Pumpengehäuse eines Kunden (links) vor, das nachgebaut werden sollte (rechts).

"Ich finde diese Ausstellung super. Ich kann hier persönliche Erfahrungen und Informationen von Menschen in Ausbildungsberufen bekommen. Das ist viel besser, als im Internet zu suchen." Die 15-jährige Nathalie Schweda ist auf der Suche nach einem geeigneten Beruf. Nach einem Blockpraktikum in der 8. Klasse in einem Kindergarten wollte sie am Samstag in der Europaschule Bornheim vor allem etwas über Verwaltungsberufe erfahren.

Dazu bot ihr und rund 450 anderen Acht- bis Zehntklässlern die Berufsinformationsmesse "Fachkräfte für die Zukunft sichern" der Bornheimer Verbundschule, der Heinrich-Welsch-Schule, der Franziskusschule und der Europaschule in Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit Bonn reichlich Gelegenheit. Die Schirmherrschaft hatte Bürgermeister Wolfgang Henseler übernommen.

Vier Stunden lang hatten die Jugendlichen gemeinsam mit ihren Eltern und Lehrern die Möglichkeit, mit Vertretern von mehr als 30 regionalen und überregionalen Ausbildungsbetrieben vom klassischen Handwerk über soziale und pflegerische Einrichtungen bis hin zu Verwaltung, Polizei und Bundeswehr ins Gespräch zu kommen und erste Kontakte zu knüpfen.

logoVertreten waren darüber hinaus auch weiterführende Schulen. "Wir wollen den Jugendlichen, die unsere Schulen nach dem 9. oder 10. Schuljahr verlassen, früh die Möglichkeit geben, im schulischen Rahmen in Kontakt mit dem Berufsleben zu kommen," beschrieb Roland Gerstenmeyer, einer der Koordinatoren der Europaschule, das Ziel der Börse. Bürgermeister Henseler begrüßte ausdrücklich die Entscheidung der Zusammenarbeit der vier Bornheimer Schulen. "Der Arbeitsaufwand ist für die Schulen und die ausstellenden Betriebe so sehr viel geringer", sagte Gerstenmeyer.

Für Hans Haase, Lehrer an der Mertener Franzikusschule, ist die Messe eine sinnvolle Ergänzung zum Berufsorientierungsunterricht. "Durch die intensiven Praktika in der 8. und 9. Klasse haben wir schon viele enge Kontakte zu Ausbildungsfirmen. Bei diesen Praktika können sich die Schüler beweisen und ihre Fähigkeiten einbringen. Interessen an der Arbeit, Pünktlichkeit und Fleiß sind dabei zum Beispiel wichtige Kriterien." So hat der 15-jährige Sascha Thüren schon nach einer Woche Arbeit in der Gartenabteilung eines Baumarktes Aussicht auf eine Ausbildungsstelle.

Der 16-jährigen Vendim Hamza dagegen ist nach Praktika in einem Bau- und Lebensmittelmarkt noch nicht ganz entschieden. Da wäre der Beruf des Automechanikers eine interessante Alternative.

Manfred Quadt-Herte und André Decker, Lehrer der Verbundschule, nahmen den Tag zum Anlass, ihre Schülerinnen und Schüler durch den Vormittag zu leiten. Mehrmals trafen sie sich zum Feedback in der Cafeteria. "Die Schüler können in diesem sicheren Rahmen lernen, auf Menschen zuzugehen und manche Hemmschwelle zu überwinden", erklärte Quadt-Herte seine Arbeit.

Die vier Schulen hatten die Informationsbörse zum verpflichtenden Schultag erklärt, aber auch Jugendliche aus anderen Schulen eingeladen.

(Bonner Generalanzeiger vom 24.09.2012 von Von Barbara Schick,  Foto: Wolfgang Henry)

 

Ein wegweisender Schultag

Bei der Berufsbörse „Treffpunkt Ausbildung“ in der Europaschule Bornheim konnten sich Schüler mit Zukunftsfragen auseinandersetzten. Berufsorientierung und Bewerbungstraining gehört an vielen Schulen zum Glück schon fast zum Schulalltag.

Jan, Björn und Janick sitzen vor einem Berg von Mappen. Darin befinden sich mit viel Mühe angefertigte Berichte über zahlreiche Berufspraktika – schon seit Jahren gehören Berufsorientierung und Bewerbungstraining für die 15-Jährigen und ihre Mitschüler aus der Klasse 10b der Europaschule Bornheim schon fast zum Schulalltag. Die Berufsbörse „Treffpunkt Ausbildung“ am vergangenen Samstag war für die „EuBo“ – sowie die Schüler der Bornheimer Verbundschule, der Franzikusschule Bornheim und der Heinrich-Welsch-Schule ein verpflichtender Schultag, doch die Mehrheit der Schüler setzt sich gerne mit Zukunftsfragen auseinander. „Für die Leute, die in der zehnten Klasse abgehen wollen, ist das eine sehr sinnvolle Sache. Wenn man sich mit den Möglichkeiten auseinandersetzt, hat man weniger Angst vor der Zukunft“, sagte etwa Jan, und Mitschüler Janick fügte hinzu: „Es ist sehr wichtig geworden, dass man sich ausführlich informiert – dann ist die Entscheidung, die dein ganzes Leben beeinflusst, auch die richtige.“

ausbildung

Polizeioberkommissar und Ein- stellungsberater Hermann Pesch durfte sich über viele wissbegierige Jugendliche freuen.

 

 

 

Über Wünsche im Klaren werden

Solche Einstellungen dürften den Bornheimer Bürgermeister und Schirmherr der Börse, Wolfgang Henseler, freuen. „Die Veranstaltung ist wichtig für die Schüler und für die Betriebe, weil beide Seiten in Zeiten, in denen die Schülerzahlen sinken und der Bedarf an Fachkräften steigt, früh in Kontakt treten müssen“, erklärte er. „Für die Schüler ist eine Bewerbung auch viel einfacher, wenn man eine Gelegenheit wie heute hat, die Betriebe einmal kennenzulernen. Dann sinkt die Hemmschwelle.“ Das Thema Berufseinstieg ist auch für Sabrina Blum, Bezirksbeauftragte im Außendienst der Debeka, eine ernste Angelegenheit. „Die große Mehrheit der jungen Leute kommt immer noch unvorbereitet zu den Bewerbungsgesprächen. Viele wissen noch nicht einmal richtig über ihren gewünschten Ausbildungsberuf Bescheid“, so ihre Einschätzung. Daher sei eine frühe Sensibilisierung in Kooperation mit den Schulen das A und O: „Infobroschüren reichen einfach nicht aus. Man muss die vielen Voraussetzungen für einen Ausbildungsberuf mit den Schülern trainieren. Aber der allererste Schritt ist, dass sich die Jugendlichen über ihre Wünsche im Klaren sind. Denn die Berufswahl ist wegweisend für den Rest ihres Lebens. Dabei wollen wir helfen.“

Neben dem größten Ausbilder in der Versicherungsbranche waren 36 weitere Betriebe und Aussteller über Aula und Gänge der Schule verteilt. Der Andrang war groß – über 600 Besucher kamen am Samstagmittag. Besonders gefragt war Hermann Pesch von der Bundespolizei: „Berufe wie der des Polizisten haben nach wie vor großen Zuspruch. Die Sicherheit des Beamtentums ist sicher ein Argument, aber ich beobachte, dass die Jugendlichen auch etwas für die Gemeinschaft tun wollen und sich deshalb für den Bereich interessieren“, erzählte er. Nicht nur von den Bornheimer Schülern hat der Oberkommissar und Einstellungsberater ein positives Bild. „Überhaupt ist „die Jugend von heute viel besser als ihr Ruf. Klar gibt es Defizite – ein Problem bei unseren Anwärtern sind etwa Deutsch und Rechtschreibung. Aber die Jugend ist nicht grundsätzlich schlecht gebildet und faul.“

(Kölner Stadtanzeiger vom 24.09.2012, Foto: Simon Stölben)