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Europaschüler möchte zu den Paralympics nach Rio

17. 09. 2012

 Philipp Waßenberg bei den Paralypics

Für Philipp Waßenberg, Schüler der Europaschule Bornheim, steht ein Ziel bereits fest: Die Teilnahme an den XV. Paralympischen Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro.

Für Philipp ist seine Beinprothese völlig normal. Welche Leistungen damit möglich sind, konnte er hautnah bei den Paralympics in London miterleben. Ganz nah bei seinen Vorbildern wurde er in seinem Wunsch bestärkt, selbst bei den Olympischen Spielen für Sportler mit Behinderung teilzunehmen.

 

Öffnet externen Link in neuem FensterARD: Philipp Waßenberg bei den Paralympics in London

Der Schüler der Europaschule Bornheim trifft sein Vorbild Heinrich Popow.



 

Mit Sport zurück ins Leben


Der TSV Bayer 04 organisierte das erste "Leverkusener Amputations-Symposium". Betroffene, Ärzte, Trainer, Therapeuten und Techniker tauschten sich aus. Der Redaktion erzählte Philipp Wassenberg über seine Erfahrungen.
"Das ist schon ein cooles Gefühl, Sport zu machen mit einer Prothese", sagt Philipp Wassenberg. Der Junge ist 14 Jahre alt, 2008 wurde ihm ein Bein amputiert – als Folge von Knochenkrebs.
Für ihn ist die Prothese Alltag, sie scheint ihn nicht mehr zu stören: "Den 100-Meter-Sprint schaffe ich in 16,3 Sekunden, beim Weitsprung komme ich auf 4,47 Meter, nur Kugelstoßen mag ich irgendwie nicht so sehr. Da bin ich nicht so gut", erzählt der aus Bonn stammende Sportler im Dress des TSV Bayer 04.
Sport und Amputation: Auf den ersten Blick vertragen sich diese beiden Begriffe nicht, von den Spitzensportlern bei den Paralympics vielleicht einmal abgesehen. Die vielen, die eben nicht zu den Spitzensportlern gehören, dürften nicht viel mit Sport "am Hut" haben, mag man auf den ersten Blick denken. Das Gegenteil ist der Fall. "Sport ebnet den Weg zurück ins Leben", sagt Jörg Frischmann, Geschäftsführer Behindertensport-Abteilung bei Leverkusens Sportverein TSV Bayer 04.
Und weil man beim TSV so gute Erfahrungen damit gemacht hat, sollen auch andere davon profitieren, vor allem natürlich diejenigen, die aus welchen Gründen auch immer Gliedmaßen amputiert bekamen.



Talentsuche als Nebeneffekt


Die TSV-Behindertensportler werden medizinisch an der Klinik in Köln-Merheim betreut. Und die schickt gerne ihre Patienten nach Leverkusen, damit sie den Sport für Behinderte kennen lernen. "Wir finden als Verein so vielleicht neue Talente", sagt Jörg Frischmann über den Nutzen für den Verein.
Sport ist ein Weg zurück in die Normalität, denn die Neu-Amputierten können von den Sportlern den Umgang mit der Behinderung erlernen, wieder zu Lebensqualität zurückfinden, wie Frischmann erläutert. Denn Sport ist beim TSV längst nicht nur Sitz-Volleyball, was gemeinhin mit Behindertensport assoziiert werde: "Wir bieten alles an, vom Laufen über Weitsprung und Kugelstoßen bis zum Schwimmen." Die Erfolge geben dem Verein Recht.
Und ganz nebenbei lernen die Betroffenen auch den rein technischen Umgang mit ihren Prothesen besser kennen. Damit wird dann die Prothese wieder zur Normalität. Eine Normalität, die Philipp Wassenberg an seinem Gymnasium nicht erlebte.

2016 zu den Spielen in Brasilien

Seit er amputiert wurde, gab es dort Probleme mit Lehrern und Mitschülern. Er wechselte zur Europaschule Bornheim: "Da ist alles prima, keine Probleme." Philipp hat große Pläne: "Ich fahre diesmal mit zum paralympischen Trainingslager in London. 2016 in Rio de Janeiro will ich dann richtig dabei sein."

(Rheinische Post Online - CLAUS-PETER GRIES 16.07.2012)