Sie sind hier: Aktuelles > Beitrag

Handyverbot in Schulen bleibt umstritten

04. 04. 2006

 

Schulleiter lehnen staatliches Eingreifen ab -
Telefonsammlung wächst im Sekretariat

RHEIN-SIEG-KREIS. Bayern hat auf das Auftauchen von Porno- und Gewaltvideos auf Schüler-Handys jetzt reagiert und im Kabinett ein Nutzungsverbot für Handys an Schulen beschlossen. Auch während der Pausen dürfen die Geräte dort künftig nicht mehr genutzt werden. Auf ein Handyverbot per Gesetz warteten die Schulen im Rhein-Sieg-Kreis aber nicht.
   Viele Schulleiter wurden aktiv, um dem Störfaktor Handy entgegenzuwirken. Eine Gewaltszene auf dem Handy eines älteren Schülers im Schulzentrum Oberpleis (Königswinter) gab Anlass, dort vor ein paar Wochen ein konsequentes Handyverbot auszusprechen, erklärte Realschul-Konrektorin Käthemarie Gundelach. Einvernehmlich hätten sich die Leiter der drei Schulen dazu entschlossen, die Eltern der Schüler seien schriftlich über das Verbot informiert worden.
   Auch in Bornheim-Merten ist die Benutzung von Handys während der gesamten Schul- und Pausenzeit verboten, versicherte Rainer Klaes, Schulleiter der Franziskus-Hauptschule. Er berief sich dabei auf sein Hausrecht und die damit verbundene Entscheidungsfreiheit. Schließlich sei erwiesen, dass Handys nicht nur den Unterricht stören, sondern auch den Besitzer gefährden könnten. Klaes hat aber auch die Erfahrung gemacht, dass Kinder und Jugendliche Grenzen und feste Regeln brauchen und wollen.
   Der sichtbare und hörbare Gebrauch von Handys ist auch im Alexander-von-Humboldt-Gymnasium (Bornheim) verboten. “Und zwar von Anfang an”, wie Schulleiterin Brigitte Engelhardt von der vor sechs Jahren eröffneten Schule betonte. Auch sie ist der Überzeugung, dass Handys nicht nur stören, sondern dass damit Inhalte verbreitet werden können, mit denen die Schule nicht einverstanden sein kann. Wer dennoch während der Schulzeit telefoniert, dem wird das Handy abgenommen - und nur die Eltern des Schülers können es im Sekretariat wieder abholen. “Längst nicht alle Handys werden von den Eltern zurückgeholt”, so die Schulleiterin. Inzwischen reiche das Handysortiment im Sekretariat schon aus, um einen kleinen Laden zu eröffnen.
   In der Schulkonferenz der Bornheimer Europaschule wurde beschlossen, dass Handys an Schultagen weder auf dem Schulgelände noch auf dem Schulhof eingeschaltet sein dürfen. Wie Schulleiter Klaus Breil versicherte, stünde das auch schon lange in der Schulordnung. Von gesetzlichen Verboten hält er nicht viel: “Es soll nur verboten werden, was auch kontrolliert werden kann!”
   “Handygebrauch verboten” heißt es auch im Meckenheimer Schulzentrum. Einstimmig haben das die drei Schulleiter bei ihren regelmäßigen pädagogischen Gesprächen beschlossen, teilte Hauptschulleiter Walter Paulsen mit.
   Ganz anders sehen das die Pädagogen des Siebengebirgsgymnasiums in Bad Honnef. “Bei uns gibt es kein Handyverbot außerhalb der Klassenzimmer”, so der stellvertretende Schulleiter Armin Ritter; er sieht auch keinen Handlungsbedarf. Man versuche, durch Prävention dem Missbrauch vorzubeugen. Für wesentlich fruchtbarer als Verbote hält er es, den Schülern den bewussten Umgang mit dem Handy zu vermitteln. Daran arbeiten auch so gut wie alle weiterführenden Schulen im Rhein-Sieg-Kreis. Sie aktivieren Streitschlichter und arbeiten teilweise mit der Präventionsabteilung des Polizeipräsidiums zusammen.

Eure Meinung ist gefragt im Online-Forum

(Bonner Rundschau vom 04.04.2006 von Margret Klose)