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Ein Jugendparlament soll her

30. 09. 2011

 

Junge Bornheimer sprechen über ihre Wünsche und Möglichkeiten, in der Stadt mitzumischen


„Du bist gefragt!" Mit diesem Appell wandte sich der Erste Beigeordnete der Stadt Born-heim, Markus Schnapka, an Kinder und Jugendliche, sich aktiv an der Gestaltung „ihrer" Stadt zu beteiligen. Beim Jugendforums 2011 trafen sich am Montagabend Verantwortliche aus Kommunalpolitik und Jugendinstitutionen mit rund 20 Kindern und Jugendlichen im Bornheimer Jugendtreff an der Königstraße. Dort diskutierten sie sowohl über konkrete Wünsche als auch über mögliche Formen, wie Jugendliche Einfluss nehmen können.
Martina Leshwange, Fachberaterin für Jugendarbeit beim Landesjugendamt Rheinland, moderierte den Abend. Zunächst stellte sie einige Methoden vor, mit denen sie in anderen Kommunen in NRW Erfahrungen gesammelt hat. „Es gibt in vielen Städten ein Kinder- und Jugendparlament, das aus gewählten Vertretern der Schülerschaft besteht und vor den Jugendausschüssen der Stadt regelmäßig gehört wird", war eine der Möglichkeiten. Andere Formen sehen die Beteiligung Jugendlicher zu bestimmten Themenkomplexen vor, so wird beispielsweise in einer Zukunftswerkstatt ein großes Thema bearbeitet. Bei anderen Projekten, wenn es etwa um die Planung für einen Bolzplatz geht, werden    die Jugendlichen mit in die Flächennutzungsplanung eingebunden. „Wichtig ist, dass die Anliegen auch bei knappen Budgets zeitnah umgesetzt werden", darin waren sich alle Beteiligten einig.
Die beiden Jugendlichen Moritz und Fabian aus Walberberg haben ein konkretes Problem mit zu der Diskussion gebracht, denn ihnen und Gleichaltrigen fehlt ein Platz, an dem sie sich treffen können. Schließlich hat das Jugendzentrum „Raum" an der Walburgisstraße nur an zwei Tagen in der Woche geöffnet, und auf dem Spielplatz sind junge Menschen über zwölf Jahren nicht gern gesehen. Wohin also? Wer ist Ansprechpartner, wenn es um eine Erweiterung der Öffnungszeiten geht? Ein ähnliches Problem beschäftigt den elfjährigen Daniel, der im Roisdorfer Jugendzentrumsratsitzt. Auch dort sind die Öffnungszeiten begrenzt, und dann gibt es auch immer wieder „Revierkämpfe".
Simon von der Europaschule findet ein Kinder- und Jugendparlament eine sehr gute Lösung. Er bringt Erfahrungen aus Marburg mit, wo er früher zur Schule gegangen ist.
„Es ist schwierig, wenn Erwachsene denken, sie tun etwas für Jugendliche. Das Parlament ist eine gute Vermittlerlösung", sagt er. „Oft ist es so, dass sich zwar die Gymnasiasten dafür interessieren. Aber wie bekommt man auch die Haupt- und Realschüler dazu, sich zu engagieren?", fragt ei weiter. Auch geht es an diesem Abend darum, ob und wie hoch ein Budget für ein Parlament sein könnte, damit man tatsächlich etwas umsetzen kann. Michael Seeland, Leiter der Jugendzentren in Walberberg und Roisdorf, gibt zu bedenken, dass man aus einem Stadtteil heraus effektiver arbeiten könne, als aus der übergeordneten Stadtperspektive.
Nach einer guten Stunde Diskussion spricht sich eine deutliche Mehrheit für ein Kinder- und Jugendparlament aus. Darüber hinaus sollten in konkreten Fällen auch offene Foren eingerichtet werden, in denen alle sich einbringen können, wenn sie ein Thema besonders interessiert.
Mit zwei Termin-Varianten im Kalender - Dienstag, 8. oder 22. November, um 17 Uhr -, und dem Gefühl, ernst genommen zu werden, gehen alle auseinander und haben die feste Absicht, zum nächsten Treffen der Arbeitsgruppe auch ihre Freunde mitzubringen.

(Bonner Generalanzeiger vom 28.09.2011 Von Pia-Susan Bergen-Bügel, FOTO: ROLAND KOHLS)