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Biologie-Unterricht im Schlamm

02. 05. 2010

 Ein genauer Blick auf die Messwerte: Umweltpädagoge Ottmar Hartwig mit Europaschülerinnen des CEB-Kurses

Europaschüler untersuchen das Waser des Bornheimer Bachs

„Es ist total lustig und interessant, aber schon etwas ekelig, dass man bis zu den Knien im Schlamm  steckt“, erzählte Miriam Mufleh (13), die lächelnd ihre vermatschten Gummistiefel zeigte. Am Dienstagmorgen versammelte sich der CEB-Kursus (Naturwissenschaftlicher Wahlpflichtkurs Chemie, Ernährungslehre, Biologie) der Bornheimer Europaschule an einem ungewöhnlichen Ort, nämlich mitten im Bornheimer Bach.
Damit begann unter der Leitung von Lehrerin Diana Emmerich und Umweltpädagoge Ottmar Hartwig von der Natur- und Umweltschutzakademie (NUA) die ökologische Reise durch die Welt des Wassers und der kleinen Tiere, die darin leben. Eine Kollegin hatte Emmerich auf den Lumbricus-Bus der NUA aufmerksam gemacht, die ihn  daraufhin zum Thema Wasser bestellte, um die Theorie in die Praxis zu übertragen.
Das lateinische Wort Lumbricus heißt übersetzt Regenwurm. Der Bus kann als „reisendes Umwelt-Klassenzimmer“ von März bis November bei der NUA bestellt werden. Er bietet ein richtiges Profi-Labor für die Hobby-Ökologen und 26 Arbeitsplätze, einen Computer, eine Digitalkamera, eine Videoanlage, Binokulare, chemische Untersuchungsgeräte sowie eine kleine Fachbibliothek zum  Recherchieren.
Während des gesamten Vormittags stand das Sammeln von Tieren und Daten inklusive Auswertung und Dokumentation auf dem Programm. „Eben haben wir sogar Schneckenbabys gesammelt. Die untersuchen wir gleich unter dem Mikroskop im Bus“, sagte Lea Hartmann (13), die auf dem Weg in das fahrbare Labor war. Gleichzeitig hörte man Hilferufe aus einer anderen Ecke des Gewässers. Eine Schülerin steckte mit beiden Beinen im Schlamm fest und kam nicht mehr heraus. Lehrerin Emmerich und Umweltpädagoge Hartwig eilten herbei. Mit viel Kraft konnte die Schülerin befreit werden: der eine Helfer zog am linken Bein, der andere am rechten, damit schnellstens die nassen Stiefel ausgezogen werden konnten. Nach diesem Erlebnis war erst mal eine Verschnauf- und Säuberungspause angesagt.
Überall war etwas los: Die einen saßen im Lumbricus, andere suchten Würmer, Spinnentiere und Larven, eine weitere Gruppe stand mit einem Zollstock im Wasser, um die Tiere auszumessen. Hartwig begleitete das Geschehen mit professionellen Tipps und Tricks.
Für die Kinder sei es wichtig den Bach „live“ zu erleben und selber auszurechnen, wieviel Wasser pro Sekunde hindurch fließt. Außerdem würden die Schüler gleichzeitig Berufssparten in der Ökologie hautnah kennenlernen. Erste Erkenntnisse waren schnell gefunden: „Dieser Bach hat eine dreimal so hohe Leitfähigkeit im Vergleich zu anderen Gewässern. Das liegt an den verschiedenen Salzen, die sich eventuell durch das vermehrte Streuen im Winter angehäuft haben. Das wird aber gleich mit der Gruppe ausdiskutiert“, so Hartwig.
Bei dem Projekt der Europaschüler richtet sich die Gewässeruntersuchung nach den Europäischen Wasserrahmenrichtlinien. Im Anschluss an die Entdeckungsphase, präsentierten die Schüler ihre Ergebnisse und erstellten ein Bachprofil. In den folgenden Unterrichtsstunden wird die gesamte Exkursion noch einmal nachbereitet, um Erfahrungen und Eindrücke auszutauschen.

(Bonner Generalanzeiger vom 28.04.2010 vom Jessica Marx)