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Klaus Breil geht - "Happy Birthday" aus 1800 Kehlen

18. 09. 2008

 Der Abschied von 'seiner' Europaschule wird Klaus Breil schwer fallen. (Bild: Kreikebaum)

Er ist fast blind und bleibt optimistisch: Der Mann, der heute 60 wird, will sich von seiner Augenkrankheit nicht unterkriegen lassen. Klaus Breil hat die Bornheimer Europaschule entscheidend geprägt. Am Mittwoch wird er in den Ruhestand verabschiedet.
Am Anfang war die Angst. Für den Heranwachsenden Klaus Breil war Schule ein Albtraum. Schlechte Klassenarbeiten zeigte er zu Hause nicht. Unterschriften kritzelte er selbst. In der Untertertia blieb er sitzen. Die schlechten Erfahrungen verfolgten ihn noch Jahre später im Schlaf. „Breil, ich klatsch dich an die Wand, hat ein Pauker mal gebrüllt“, sagt Klaus Breil, und guckt durch seine getönte Brille an die Decke des Direktorenzimmers. Am heutigen Mittwoch, seinem 60. Geburtstag, wird Klaus Breil an der Bornheimer Europaschule in den Ruhestand verabschiedet. Die Schule hat er in den 20 Jahren seit ihrer Gründung von einem Randobjekt zum bundesweiten Vorbild gemacht.

Widerstände gegen Schule

„Aus meiner Schulzeit habe ich gelernt, dass ich kein Recht habe, Menschen kaputt zu machen“, sagt Breil. „Mein Anliegen war es, den Kindern von Beginn an das Gefühl zu geben, ernst genommen zu werden, und ihnen zu zeigen, dass das Glas immer halbvoll ist.“Gelungen scheint dem Mann aus dem Ruhrpott dies vortrefflich: An der Spitze von 172 Schülern und 20 Lehrern hat er die Europaschule 1988 gegründet. Anfangs sei die Gesamtschule „ein ungeliebtes Kind“ gewesen, die noch 1990 in keiner Bornheimer Wahlbroschüre aufgetaucht sei. Heute zählt sie zu den renommiertesten Bildungsanstalten im Lande, die Zahl der Wettbewerbssiege ist ähnlich unübersichtlich wie beim FC Bayern. 1548 Schüler besuchen die Europaschule aktuell. Jahr für Jahr übersteigen die Anmeldungen die freien Plätze um das Zwei- bis Dreifache.Dabei wollte Klaus Breil, der stets hervorhebt, „ein Teamspieler“ zu sein, nach den Ängsten der eigenen Schulzeit zunächst Priester werden. Doch er traf seine spätere Frau und sattelte auf Lehramt um. Oft stieß der Schulleiter in Bornheim auf Widerstand. So, als die Schule 1991 den Preis „Bornheimer“ ins Leben rief. 1994, als Medienkritiker Neil Postman zur Preisverleihung in die Schule kam, „wollte der Bürgermeister den Preis für sich einnehmen und als »Ehrenpreis der Stadt« überreichen“, erinnert sich Breil.Mit CDU-Parteifreunden stritt Breil über den Sinn von Gesamtschulen - er sei froh, dass die Schulform in der CDU heute stärker akzeptiert werde, sagt er. Zweifler konnte der Mann auf die Erfolge seiner Schule verweisen. „ 34 Prozent unserer Abiturienten dieses Jahr sind mit einet Gymnasialempfehlung zu uns gekommen“, sagt er. „Die anderen 66 Prozent haben es auch gepackt.“Angst treibt Breil, allem strotzendem Optimismus zum Trotze, noch heute um. Nicht, weil er fast erblindet ist - auf dem linken Auge sind zwei Prozent Sehkraft geblieben und auf dem rechten zehn: Klaus Breil kennt kein Leben ohne Schule. Unlängst hat er eine Wohnung auf Gran Canaria gemietet, das halbe Jahr über will er dort leben, weil „die Lichtkontraste dort schärfer sind“. Am 1. Oktober geht sein Flieger. „Ich werde dort nicht warten, was passiert, sondern agieren“, sagt er. Das Glas bleibt halbvoll.

 

(Kölner Stadtanzeiger vom 16.09.08 von Uli Kreikebaum)

 

"Happy Birthday" aus 1800 Kehlen



So laut haut Klaus Breil das "Happy Birthday" noch nie gehört. Gestern wurde der Leiter der Europaschule 60, und aus diesem Anlass sangen Schüler und Lehrer - also gut 1800 Menschen - auf dem Schulhof ein Geburtstagsständchen. Am Nachmittag folgte dann die offizielle Feier. Die Schülervertreter des letzten Abi-Jahrgangs Sven Niepmann und Jan Meller lobten Klaus Breil als einen Menschen, der die Schule und die Schüler geprägt habe: "Wir haben viel bei Ihnen gelernt." Voller Anerkennung war auch Bürgermeister Wolfgang Henseler. Er hat Breil vor 20 Jahren im Schulausschuss kennen gelernt als einen Mann, der sich kämpferisch für die Gesamtschule eingesetzt hat. Von der Bezirksregierung Köln war Helmut Bürvenich gekommen, der ebenfalls die Arbeit des Schulleiters würdigte. Für die Telekom-Stiftung, die den Unterricht an der Schule fördert, gratulierte Geschäftsführer Ekkehard Winter. Der Elternchor gestaltete ebenso wie der Schülerchor und die Big-Band die lange Feier mit. (mkl/Foto: H0mey)

(Bonner Rundschau vom 18.09.2008)

 

 

Die Europaschule ist sein Lebenswerk

Klaus Breil wird heute 60 und hört nach den Ferien wegen einer Augenkrankheit auf. Der „Direx“ kennt fast jedes Kind. „Ich wollte immer der Mann an der Spitze sein“.



Schwarzer Anzug, schwarzes Hemd, schwarze Brille, vielleicht ein heller Schlips als „Raumteiler“. Die schwarze Kleidung ist auch Eitelkeit. Klaus Breil hält sich für kräftig, und „dunkel überspielt“.
Im übertragenen Sinne ist der Pädagoge tatsächlich ein Schwergewicht. Als Leiter der Europaschule von Anfang an, also seit 20 Jahren, hat er die Geburtswehen und das Aufwachsen der Gesamtschule in erster Linie begleitet und bestimmt. Heute ein Erfolgsmodell mit 130 Pädagogen und 1500 Schülern, hatte der Christdemokrat auch mit Vorurteilen zu kämpfen, es galt viel Überzeugungsarbeit zu leisten.
Dass er andere mitreißen kann, bescheinigen sie alle – Freunde und weniger Zugeneigte. Denn Klaus Breil hat einen Dickkopf. Wenn er sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hat, dann kann er auch stur sein. Manchmal sogar zu stur, gibt er zu.
Doch alle Sturheit hilft dem Pädagogen aus Überzeugung, der die meisten der anderthalbtausend Schüler persönlich, den Rest beim Namen kennt, zur Zeit wenig. Wer Breil schon öfter in seinem Büro besucht hat, der weiß, dass er immer auf demselben Stuhl sitzt. Die Sonnen im Rücken, der Gesprächspartner ausgeleuchtet, in jüngster Zeit trägt der Direktor eine dunkle Brille. Eine schwere Augenkrankheit, eine Durchblutungsstörung am Sehnerv, hat den starken Mann schwach gemacht – zumindest teilweise. „Ich weiß nicht, wie es weiter geht. Ehrlich gesagt, ich habe ein wenig Angst“, gibt er zu. Damit meint er nicht nur das Augenlicht, sondern auch die Zeit nach der Schule. Mehr als drei Wochen am Stück hatte er nie frei, nun werden es bald Monate sein.
Doch dass Klaus Breil Däumchen drehen wird, glaubt niemand. Seine Lebensmittelpunkte werden dann Köln und Gran Canaria sein, sagt der Großstadtmensch“, der nie nach Bornheim ziehen wollte. Nicht, dass es keine schöne Stadt sei, aber er brauche eben die Menschen, das kulturelle Angebot, die Freunde. Doch viele Dinge fallen ihm nun schwerer als noch in seinen „wilden Jahren“. Da hat er eine Straßenbahn in Wuppertal mit umgeworfen, beichte er eine Sünde aus den 68-ern. „Ist ja verjährt“.
Klaus BreilHeute liebt er Kunst, engagiert sich in seinem Urlaubsdomizil, liest gerne. Um trotz der nachlassenden Augen seine Lebensqualität zu erhalten, sind nun Okular und Taschenlampe seine ständigen Begleiter. Ist er in fremder Umgebung unterwegs, tastet Klaus Breil mit einem Stock. „Ich sehe nicht, ob etwas ein feuchter Fleck oder eine Treppe ist. Da bin ich auch schon mal richtig hingeflogen.“ Von Pontius zu Pilatus ist er gelaufen, als die Augen nachließen. Hoffnung machte ihm niemand. „Man kann die Krankheit wohl nur aufhalten.“
Aus dem Autofahrer wurde ein Nutzer von Bus und Bahn. Doch wer eine solche Krankheit hat, der klammert sich an jeden Strohhalm. Der kam jetzt aus bekanntem Munde: „Kommen Sie zu mir nach Wien. Dort kenne ich einen Schamanen, der kann Ihnen vielleicht helfen“, lud ihn André Heller bei der Verleihung des „Bornheimers“ ein. „Natürlich fahre ich da hin. Zum einen wegen des Schamanen, zum anderen wegen Heller und Wien“, sagt der geschiedene Vater einer Tochter.
Ein Schamane, also ein religiöser Zauberer oder Medizinmann, ist eigentlich gar nicht das Dinge von Klaus Breil. Denn er ist streng gläubig. Kein strenger Kirchgänger, aber eben tief im Glauben verwurzelt. „Gott ist ein Freund. Der geht mit mir durch Dick und Dünn“, sagt er. Sein Leben hätte auch einen anderen Weg nehmen können, weiß der heute 60-Jährige. Gott sei ihm schon oft begegnet. Viele Dinge seien passiert, die man nicht erklären könne – eben nur durch ein höheres Wesen, das den Menschen überall hilft. Klaus Breil erzählt gerne eine Geschichte: Beim Urlaub in Frankreich, niemand kannte die Landessprache, hatte sein Hund einen Angelhaken verschluckt, droht zu sterben. Eine Frau sprach die hektischen Urlauber an: in Deutsch. Und sie half, einen Tierarzt zu finden und den Hund zu retten. „Das war kein Zufall“.
Fast wäre der Mann in Schwarz ganz in dunkle Kleidung gewechselt. Nach dem Abitur („In der Untertertia bin ich hängengeblieben“) und dem Studium der Theologie in Innsbruck ging er für einige Zeit ins Kloster. „Das war eigentlich vorgezeichnet. Ich hatte mich in meiner Geburtsstadt Oberhausen stets in der Kirche engagiert, die Messdienergruppe geleitet, mich intensiv um Jugendarbeit gekümmert. Bei den Herz-Jesu-Missionaren habe ich mich sehr wohl gefühlt, aber nur Mission, das war nichts für mich. Ich wollte mit Jugendlichen arbeiten, habe dann auch Erziehungswissenschaften und Germanistik studiert.“ Politisch hatte Breil Gewicht im Solinger Stadtrat und in weiteren Funktionen der CDU. Mit dem Beschluss der Kommunalpolitik, 1988 in Bornheim die Gesamtschule zu installieren, war für Klaus Breil das Lebenswerk vorgezeichnet. Dort brachte er seine Erfahrungen in der Gesamtschule Solingen ein.
Der Glaube an Gott zieht sich durch das Leben von Klaus Breil. Dieses Weltbild gibt er an die Kinder weiter. „Gott ist nicht der strafende Gott, mit dem man uns Kindern gedroht hat. Er ist ein Freund, den ich überall treffe. In der Kirche, aber auch in der Natur und in den Menschen.“ Die europaweiten Kontakte seiner Schule hat Breil vorangetrieben. „Schule ist mehr als Unterricht. Sie ist Lern- und Lebensraum. Wer kennt schon einen Jungen in Wolgograd, ein Mädchen in Arese, wer hat Freunde in Prag und Atlanta? Unsere Kinder. Sie lernen, global zu denken. Sehen keine Grenzen mehr. Wenn sie das hier mitbekommen, haben sie für’s Leben viel gelernt. Sie werden stark sein gegen Extreme und Vorurteile..“
Spricht er über „seine“ Europaschule und „seine“ Schüler, strahlt er. Und schaut kämpferisch: „Wir müssen für die Würde der Kinder kämpfen. Du schaffst das, muss der Ansatz sein. Lernen mit Kopf, Herz und Verstand. Und wir füllen das Vakuum, das in vielen Familien aufgetreten ist. Die Mädchen und Jungen sollen nicht nur ihre Zeit vor Fernseher und Computer verbringen. Sie sollen etwas unternehmen, auch mit den Eltern. Und noch ein Tipp: Literatur und Poesie können etwas so Schönes sein.“


(Bonner Generalanzeiger vom 17.09.2008 von Werner Meyer)

 

Klarer Kopf und warmes Herz

Geburtstagsehrung für Europa-Schulleiter Klaus Breil

SchulchorDer 17. September war ein besonderer Tag für die Europaschule Bornheim. Ein ganz besonderer Tag war es für den Schulleiter der Europaschule, Klaus Beil. Er wurde an diesem Tag 60 Jahre und die ganze Schule stand im Zeichen seiner Geburtstagsehrung.
Am Morgen wurde er schon vom Bahnhof abgeholt und zu seiner Schule transportiert, die er vor rund 20 Jahren mit gegründet und ganz wesentlich geprägt hatte. Als er in der Pause auf dem Schulhof eintraf, warteten schon alle Schüler und Schülerinnen auf ihn, um ihm ein Geburtstagsständchen zu singen. Klaus Breil, der so manches Mal für den Fortschritt der Schule hart gefochten hatte, um das Beste für die Schule und die Schüler herauszuholen (bei der Stadt und bei der Bezirksregierung) war sichtlich und hörbar gerührt, als er sich bei den Schülern und Schülerinnen bedankte.
Am Nachmittag ging die Ehrung für den „Macher" der Europaschule Bornheim in der Oase, dem Entspannungs- und Versammlungsraum der Schüler, weiter. Bis die Gäste alle Platz genommen hatten, darunter Vertreter aller anderen Schulen in Bornheim, der Bürgermeister Wolfgang Henseler, Dr. Winter von der Telekomstiftung, zu der die Europaschule eine Lehr- und Lernmittel-Kooperation unterhält, und Dr. Bürvenich von der Bezirksregierung Köln, spielte die Big Band der Schule.
Klaus BreilZuerst ergriff der künftige Schulleiter, Christoph Becker, das Wort, der auch durch das Programm führte. Er kündigte die Schülersprecher des Abiturjahrgangs 2008 an, Sven Niepmann und Jan Meller, welche die Qualitäten des bald aus dem Dienst scheidenden Schulleiters aus ihrer Sicht schilderten.
Einer von ihnen, der erst später zur Europaschule gestoßen war, erinnerte sich daran, dass er die Schüler in den höheren Klassen gerne vor Herausforderungen stellte, damit sie für das Leben nach der Schule gewappnet seien. In einem Rhetorik-Seminar bekamen alle einen Zettel mit fünf Wörtern, über welche sie eine zehn-minütige Rede halten sollten. Der Schülersprecher erinnerte sich, dass er kurz bevor er seine Proberede halten wollte, von Herrn Breil einen neuen Zettel mit fünf neuen Begriffen zugesteckt bekam. So musste er sich ganz spontan eine neue Rede einfallen lassen - so wie es im richtigen Leben oft zugeht. Das war eine von Klaus Brels Methoden, seine Schüler für das Leben stark zu machen. Aber wenn es um das innerschulische Wohl für seine Schüler ging, setzte er sich auch wie ein Löwe für sie ein. Er prägte als Schulleiter nicht nur den Charakter der Europaschule, sondern auch den Charakter der Schüler.
Die Klassen 6 b und 6c gestalteten den nächsten Programmpunkt der Feier mit dem Schullied „Mit Kopf, Herz und Hand".
Daran knüpfte Detlef Warwas, der ehemalige Schulpflegschaftsvorsitzende der Europaschule an. Er sagte, das Lied sei ein Motto der Schule gewesen, das von Klaus Breil sehr ernst genommen wurde. Auch die Elternvertreterin Frau Stabenow hatte viele positive Erinnerungen an Herrn Breil als Schulleiter. Sie bescheinigte ihm Energie und Willenskraft um die Ziele für die Schule und die Schüler zu erreichen.
Bürgermeister Wolfgang Henseler kannte Klaus Breil noch aus der Gründungszeit der Europaschule und erinnerte sich an seine Tatkraft, die Schule bei der Stadt durchzusetzen.
Klaus Breil bekam nicht nur lobende Worte, sondern auch einige Geschenke, die ihn an seinen sechzigsten Geburtstag erinnern sollten. Außer der Reihe bekam er sogar den „Bornheimer" überreicht, der eigentlich nur alle zwei Jahre verliehen, und den vor einem Monat Andre Heller bekommen hatte.
Der Elternchor sang noch ihm zu Ehren, genauso wie der Schulchor. Klaus Breil selbst hielt noch eine gerührte Dankesrede. HA

(Wir Bornheimer vom 26.09.2008)