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Ausbildungsplatzbörse: „Die Jugend ist sehr zielorientiert“

07. 04. 2008

 Lutz Fischer (r.) stellt den Beruf des Gärtners vor.

Wenn im September 2008 das neue Ausbildungsjahr beginnt, dann möchte Verena Babbel (19) aus Bornheim auf jeden Fall auch dabei sein. Am Samstag besuchte sie deswegen die Ausbildungs- und Jobbörse in Bornheim. 20 Betriebe hatten sich in der Europaschule vorgestellt. Und auch wenn diese Unternehmer aus völlig unterschiedlichen Branchen kamen, so hatten sie doch eines gemeinsam: noch freie Ausbildungsstellen für 2008.

„Die Information hier ist ziemlich gut", meinte Verena Babbel nach einem ersten Rundgang. Und ihrem Berufswunsch, Versicherungs- oder Einzelhandelskauffrau, schien sie am Samstagmittag ein ganzes Stück näher. Nicht nur die Beratungsgespräche bei den Unternehmen gefielen der jungen Frau gut, die 19-Jährige konnte sich auch gleich einen ganzen Stapel von Firmenanschriften mitnehmen, die für dieses Jahr noch eine Lehrstelle anzubieten haben.

Und so wie Verena Babbel waren am Samstag Hunderte junge Leute auf Ausbildungsstellenjagd in der Europaschule. Denn rund 80 Ausbildungsstellen für 2008 und 140 für 2009 waren dem Organisationsteam gemeldet worden. Zusammen mit der Mittelstandsvereinigung hatte die JU im Herbst 2006 ihre erste Ausbildungsstellenbörse auf die Beine gestellt. Dass sie nun bereits zur dritten Börse einladen konnten, bestärkte sie einmal mehr in ihrem Engagement. „Denn unser Ziel war und ist es, jungen Leuten eine Zukunftsperspektive zu geben und ihnen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz zu helfen", erklärte Julia Kreuels, stellvertretende Vorsitzende der JU Bornheim. Gefragt waren am Samstag vor allem Handwerksberufe. „Die jungen Leute sind sehr interessiert", versicherte Sandra Lanzerath, kaufmännische Leiterin von Elektrotechnik Kreuzer. Mehrere Bewerbungsmappen konnte sie gleich vor Ort in Empfang nehmen. Begeistert von der Jugend war auch Dachdeckermeister Peter Brings, der mit einigen Bewerbern schon konkrete Praktikumstermine vereinbaren will. Glücklich ging auch Marco Pütschke (19) nach Hause. Am Stand von Bäckerei Nelles konnte er sich ein gutes Bild vom Beruf des Bäckers machen. „Das frühe Aufstehen ist für mich überhaupt kein Problem", erklärte er. Von einer sehr zielorientierten Jugend berichtete auch Lutz Fischer, Ausbildungsreferent beim Landesverband Gartenbau Rheinland. Bei ihm sprachen junge Leute vor, die sich für eine Ausbildung im Gartenbau interessieren und die keine Scheu davor haben, bei Wind und Wetter draußen arbeiten zu müssen. Ab sofort sind die Ausbildungsstellen auch im Internet veröffentlicht.


Bonner Rundschau vom 07.04.08 von MARGRET KLOSE

 

 

Erste Orientierung auf dem Weg in den Beruf

Die Börse in der Bornheimer Europaschule bietet Jugendlichen viele Informationen


Ausbildungsplatzbörse

Ausbildungsplätze gibt es genug. Junge Leute auf der Suche nach Ausbildungsstellen auch. Aber beide zusammenzuführen, ist dann meist schwieriger, als es scheint. Dies zeigte sich bei der Ausbildungsplatz- und Jobbörse der Jungen Union und der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU (MIT) Rhein-Sieg linksrheinisch am Samstag: Beide Seiten hängten die Messlatte der Ansprüche hoch, zu hoch für manchen.
Denn die Betriebe, so stellte etwa Versicherungsfachmann Christian Müller aus Roisdorf bei der Veranstaltung in der Bornheimer Europaschule klar, nehmen nicht jeden: "Ich habe schon im letzten Jahr einen Auszubildenden für den Job als Versicherungskaufmann gesucht, aber keinen geeigneten Kandidaten gefunden." Schließlich sei sein Betrieb auf Mitarbeiter angewiesen, die selbstständig arbeiten, sich gut organisieren können und ein gutes Auftreten haben. "Der fehlende Führerschein ist dagegen kein Kriterium", meinte sein Kollege Arndt Wolf über die Chancen von minderjährigen Bewerbern: Bis erst einmal der Unterricht in der Berufsschule vorbei und die Einarbeitungszeit durchgestanden ist, feiern auch Schüler mit mittlerer Reife ihren 18 Geburtstag. "Wenn ich aber eine Bewerbung bekomme, die unvollständig ist oder jemand im Bewerbungsgespräch völlig unvorbereitet und schlecht informiert da steht, sieht es einfach schlecht aus", stellte Müller seine Ansprüche klar.
Karlfranz Klein vom Roisdorfer Möbelhaus Porta stieß in das gleiche Horn: "Im Einzelhandel sind das Auftreten und die Fähigkeit, sich gut ausdrücken zu können, ganz wichtig", sagte er. Schwierigkeiten bei der Suche nach geeignetem Nachwuchs macht die fehlenden Bekanntheit einiger Berufe: So wüssten die wenigsten, dass eine "Fachkraft für Küchen-Möbel und Umzugsservice" weit mehr können muss als nur Kisten schleppen: "Wir brauchen Leute, die sich mit Logistik auskennen und freundlich und sachkundig mit den Kunden umgehen können", unterstrich Schreinermeister Bernhard Lievenbrück von Porta. "Wer sich eine Küche für 15000 Euro kauft und daheim aufbauen lässt, der erwartet von dem Lieferanten eine kompetente Einweisung in alle Funktionen der neuen Geräte."
Um solche Fragen zu klären, waren viele junge Leute nach Bornheim gekommen, mehr als in den Vorjahren, freute sich Norbert Nettekoven. Der stellvertretende Vorsitzende der MIT hatte mit Julia Kreuels vom JU-Vorstand die Börse eröffnet.
Er war aber auch aus beruflichen Gründen vertreten: Für seine Steuerberatungsgesellschaft suchte er Nachwuchs und bot Praktika an. Ein Kandidat drückte ihm seine Bewerbungsmappe in die Hand. Andere dagegen waren unentschlossen: Laurat Krasniqil und Christian Braun etwa, beide auf der Europaschule, informierten sich zwar. Aber so richtig sprang der Funke nicht über - zu unklar war ihre Vorstellung, wie ihre Zukunft aussehen soll. (bb)

 

Bonner Generalanzeiger vom 07.04.2008