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Chinesisch als Geheimsprache

28. 11. 2007

Schüler essen mit Stäbchen

 Mit Stäbchen zu essen lernen die Schüler der Bornheimer Europaschule im Chinesisch-Unterricht, der seit einem Jahr angeboten wird.

17 Siebtklässler der Europaschule Bornheim lernen die schwierige Fremdsprache.

Als Björn kürzlich mit seinen Eltern ins China-Restaurant ging, begrüßte er die verdutzten Gastwirte mit einem freundlichen „Ni hao“ . Und nicht nur „Wie geht's?“ konnte der Junge in der Landessprache seiner Gastgeber fragen, sondern sich auch vorstellen und ein bisschen Smalltalk pflegen. Selbstverständlich bekam seine Familie von den begeisterten Wirten den besten Tisch des Restaurants zugewiesen und wurde besonders aufmerksam bewirtet.

Seine Chinesischkenntnisse hat Björn in der Europaschule Bornheim erworben. Seit einem halben Jahr wird dort der Kurs für 17 Siebtklässler angeboten. „Unsere Schüler hängen freiwillig jeweils zwei Stunden pro Woche an ihren normalen Unterricht dran“, erläutert Schulleiter Klaus Breil. Zwar falle das Angebot aus dem Rahmen der europäisch orientierten Lehrinhalte. Aber es sei eben auch wichtig, über die Grenzen Europas hinauszublicken und fremde Kulturen kennenzulernen, um sie mit der eigenen vergleichen zu können.

„Türen öffnen“

Qi ChenDie Initiative für den Chinesischunterricht kam vom Inhaber des Dersdorfer China-Restaurants „Nan Guo“, Jin Jian Shu. „Ich habe, als ich nach Deutschland kam, selbst gesehen, dass schon ein paar Worte in der Landessprache Türen öffnen können“, begründet Shu sein Engagement.

Hanne Hufschmidt, didaktische Leiterin an der Europaschule, gewann den Pädagogen Qi Chen als Lehrer für den Chinesisch-Unterricht. „Ich vermittele den Schülern zunächst die Lautschrift und dann Schriftzeichen“, erläutert Chen, der in Peking Germanistik studierte und seit 16 Jahren als Chinesisch-Lehrer arbeitet. In einem Teil des Unterrichts werde aber auch Landeskunde und Kultur vermittelt, derzeit steht Esskultur auf dem Stundenplan: heute etwa sitzen die Zwölfjährigen im Klassenraum und probieren, mit Stäbchen so viele Erdnüsse wie möglich elegant aus einem Becher zu picken. „Gleich zu Anfang musste ich das Klischee ausräumen, dass bei uns weder Hund noch Katze auf den Tisch kommt“, sagt Chen lachend.

In ganz Deutschland gebe es nur rund 5000 Schüler, die Chinesisch lernten, sagt der Pädagoge. Und warum lernen die Bornheimer Schüler die schwierige Sprache? „Ich finde es toll, sich in der Bahn auf Chinesisch unterhalten zu können und keiner versteht einen“, sagt Philip. Tilmann und Lennart meinen, dass man sich auch beruflich Vorteile verschafft, weil Chinesisch, das von rund 1,2 Milliarden Menschen gesprochen wird, die „Sprache der Zukunft“ sei. Anita interessiert sich seit langem für China, und Janine findet die Schriftzeichen „cool“.

Wenn die Schüler den Kurs nach drei Jahren abschließen, erhalten sie ein Zertifikat. „Sie werden etwa 200 bis 300 aktive Schriftzeichen beherrschen“, erläutert Lehrer Chen, der auf Nachfrage grinsend einräumt, dass das Chinesische rund 60 000 Schriftzeichen umfasst. „Aber davon werden etwa 90 Prozent gar nicht mehr gebraucht“, beruhigt er. Bis die Europaschüler eine chinesische Zeitung lesen können, werden sie noch einige Stunden büffeln müssen: dazu muss man nämlich etwa 1500 Schriftzeichen kennen.

(Kölner Stadtanzeiger vom 28.11.2007 von ALEXANDRA KLAUS)

 


Chinesisch lernen für die Zukunft

An der Europaschule Bornheim heißt „Guten Tag!“ schon mal „Ni hao!“

Chinesich-Unterricht

Noch weiß David (12) nicht, wo es ihn beruflich einmal hin verschlägt. Doch schon jetzt gibt der Europaschüler die Richtung vor. Zusammen mit 16 Altersgenossen lernt er zurzeit die chinesische Sprache. Die Arbeitsgemeinschaft (AG) ist freiwillig und findet jeden Freitag nach offiziellem Schulschluss statt. „Natürlich verspreche ich mir davon auch berufliche Vorteile“, sagt der Junge selbstbewusst. Doch in  erster Linie macht es erst einmal nur Spaß, eine so ungewöhnliche Sprache zu lernen.“
Das finden auch Björn, Philipp, Til und Lara. Fleißig pauken sie Vokabeln, um ihren Wortschatz zu vergrößern. Denn ganz spannend und geheimnisvoll stellen sie es sich vor, sich mit zunehmenden Chinesischkenntnissen untereinander in der Bahn in der fremden Sprache zu unterhalten. „Sozusagen als Geheimsprache“, verraten sie. Erste positive Reaktionen haben die meisten Schüler schon gemacht. Als David etwa mit seinem Vater vor ein paar Wochen in einem chinesischen Restaurant essen ging, da habe er den Inhaber auf Chinesisch begrüßt. „Ni hao“ habe er gesagt, was soviel heißt wie „Guten Tag“. Daraufhin war der Inhaber so begeistert, „Dass es uns an den besten Tisch im ganzen Restaurant geführt hat“, freut sich David.
Lara hingegen hat die Erfahrung gemacht, das nicht alles, was chinesisch aussieht, auch chinesisch ist. „Auch ich war mit meinen Eltern im Chinarestaurant und auch ich habe die chinesisch aussehende Kellnerin in ihrer Heimatsprache begrüßt“, erzählt sie. „Doch sie konnte gar kein Chinesisch; sie hat kein Wort verstanden“, schmunzelt Lara. Ihre Begeisterung für den chinesischen Unterricht hat durch dieses „negative“ Erlebnis aber nicht gelitten.
Überhaupt wundern sich auch die Chinesischlehrer oft über die Euphorie und den Lerneifer ihrer Schützlinge. „Die Kinder sind alle sehr schlau und lernen sehr gerne und fleißig“, versichert Lehrerin Meng Xie und ihr Kollege Qi Chen.
Meng Xie ist in Südostchina groß geworden und kam vor über 20 Jahren zum Studium nach Deutschland. Ähnlich wie jetzt ihre Schüler hat sie damals die deutschen Vokabeln und die Grammatik gebüffelt. Dabei empfand sie die deutsche Grammatik als das Schwierigste. „Das Schwierigste bei der chinesischen Sprache sind die Schriftzeichen und die Aussprache“, sagen hingegen ihre Schüler in der Europaschule.
Die Lehrer haben ihnen deshalb Hilfsbrücken gebaut. So lernen die Jugendlichen neben den Schriftzeichen und deren Bedeutung auch die Aussprache in deutschen Buchstaben. Ganz fernöstlich hört es sich an, wenn die Europaschüler gemeinsam chinesische Lieder singen. Besonders jetzt zur Weihnachtszeit präsentieren sie stolz, dass sie „Stille Nacht“ auch auf chinesisch singen können.
Doch nicht nur die Sprache ist Thema im Unterricht. Um die Sprache wirklich zu verstehen, sollte man auch das Land und seine Kultur kennen, sagt Meng Xie. Mit Stäbchen essen kann schon jeder Schüler. „Wir haben sogar schon einmal einen Wettbewerb gemacht und mussten dabei mit den Stäbchen Erdnüsse von einer Schale in eine andere füllen“, erzählt Til.
Anita weiß, dass China sehr viel größer ist als Deutschland. Und: Rund 70 Prozent der Bevölkerung sind Buddhisten. Ihr und der größte Wunsch ihrer Klassenkameraden ist es, wenigstens einmal in ihrem Leben ins „Land des Lächelns“ reisen zu können.


(Bonner Rundschau vom 02.01.2008 von Margret Klose)

 

 

Chinesisch: Neues Fach an der Europaschule

 

Die Europaschule Bornheim, die immer für eine Innovation gut ist, kann seit einigen Wochen ihren Schülern wieder etwas Neues bieten. Der letzte Coup an dieser Schule ist der Chinesisch-Unterricht. Im letzten Sommer 2007 hatte Herr Jin Jian Shu vom China-Restaurant in Dersdorf in einem Gespräch mit dem Schulleiter der Europaschule Bornheim, Klaus Breil, geäußert, wie sehr er vom Vorgebirge und seinen Bewohnern dabei profitiert habe, die deutsche Sprache zu lernen. Er war so begeistert, dass ihm die Idee kam, auch den Menschen, und hier vor allem den Kindern, aus dem Vorgebirge für ihr Entgegenkommen einem Zugereisten aus Fernost  gegenüber, etwas zurückzugeben. Weil er nach wie vor gute Kontakte zu seinen Landleuten hat, auch zu solchen, die in Deutschland leben, bot er Herrn Breil an, den Europaschülern von Chinesen Chinesisch-Unterricht zukommen zu lassen. Herr Breil war von dieser Idee sehr angetan. In der Schule koordinierte Frau Hufschmidt, die didaktische Leiterin an der Europaschule alle Vorbereitungen. Schnell hatten sich genügend Schüler bereit erklärt, an einer Arbeitsgemeinschaft in Klassenstärke teilzunehmen.
Mit Xie-Meng und Chen Qui wurden zwei Lehrkräfte gefunden, die jetzt jeden Freitag eine Doppelstunde Chinesisch erteilen.
Obwohl von den Schülern bisher niemand in China war, haben sie ein großes Interesse eine Sprache zu lernen, die sowohl in der Aussprache als auch in der Schrift eine völlige Umstellung gegenüber europäischen Gewohnheiten darstellt.
In einem Probeunterricht vor den Weihnachtsferien, die der Autor dieser Zeilen besucht hatte, übten die Schüler das Weihnachtslied „Stille Nacht, Heilige Nacht“ auf Chinesisch ein. An der Tafel standen die Chinesischen Schriftzeichen für den Text, darunter die Silben-Umschrift, damit die Kinder die Laute erlernen konnten.
Neben der Chinesichen Sprache steht allerdings auch die Chinesische Kultur auf dem Stundenplan.


(„Wir Bornheimer“ vom 04.01.2008)