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"Science"-Unterricht: Die Schüler arbeiten in kleinen Teams

07. 09. 2007

 Einweihung des "Science"-Raumes

"Science"-Unterricht an der Europaschule in neu gestalteten Räumen. Motivation an sechseckigen Tischen.

BORNHEIM. Insgeheim dürfte sich manch einer im Publikum gewünscht haben, noch einmal zur Schule gehen zu dürfen: Die Vorstellung des "Science"-Unterrichts an der Europaschule ließ die naturwissenschaftliche Bildung so spannend und unterhaltsam erscheinen, wie sie zu eigenen Schulzeiten bestimmt nie war. Das Fach "Science", zu deutsch "Wissenschaft", ersetzt seit zwei Jahren in den fünften und sechsten Klassen den Unterricht in Biologie, Chemie und Physik. Damit soll die Motivation der Schüler fächerübergreifend erhöht werden, erklärte Vize-Schulleiter Christoph Becker gestern bei der Vorstellung des jetzt eigens für diesen Unterricht hergerichteten Fachraums.
Im klassischen Frontalunterricht - der Lehrer an der Tafel, alle Schüler mit Blick zu ihm sitzend - sei es den Pädagogen praktisch unmöglich, individuelle auf den Lernstand der einzelnen Schüler und ihre Interessen einzugehen. Die Europaschule habe darum als Modellprojekt ein neues Konzept für den naturwissenschaftlichen Unterricht entwickelt , wie Lehrer Martin Behrens erläuterte: Die Schüler sitzen in kleinen Gruppen um sechseckige Tische zusammen und arbeiten im Team an ihren Aufgaben und Experimenten. Die Richtung geben ihnen "Fahrpläne" mit Tipps und Hinweisen zur Lösung eines Problems an, während der Lehrer eher moderiert und hilft als unterrichtet im klassischen Sinne. Damit werde die Selbständigkeit der Schüler gefördert ebenso wie ihre Fähigkeit, Fragen zu stellen, Experimente durchzuführen und aus den beobachteten Vorgängen klare Ergebnisse zu formulieren.
"Viele Schüler wissen nämlich noch nicht einmal, was Schlussfolgerung bedeutet", kritisierte Elke Sumfleth von der Universität Duisburg-Essen die schlimmsten Auswüchse des Frontalunterrichts. "Wenn ihnen der Lehrer vorher gesagt hat, was sie sehen werden, reicht ihnen dann schon genau dieser Vorgang aus", sagte die Professorin, die das Projekt mit der Doktorandin Silke Klos begleitet. Doch der gute Gedanke allein reicht noch nicht, auch die Technik muss stimmen. So gewann die Schule Sponsoren, die den Klassenraum passend umbauten. Die Firmen Hohenloher, Phywe und Promethean richteten den Fachraum mit den passenden Tischen, rollbaren Schränken mit dem bereitgestellten Material und "Powerlifts" ein, Leisten mit Steckdosen und Anschlüssen für den Laptop, die über jedem Tisch von der Decke hängen. Mit der Unterstützung der Deutsche Telekom Stiftung, der Stadt Bornheim und des Fördervereins der Schule, der 3 000 Euro für den Umbau beisteuerte, kostete die Schule das Projekt nichts - außer viel Arbeitszeit für das Konzept.
Die Schüler zeigten sich sehr angetan von dem neuen Unterricht, wie Becker anhand positiver Kommentare der Fünft- und Sechstklässler nachwies: "Manchmal ist eine Stunde einfach zu kurz, um alles zu machen, was wir ausprobieren wollen", lautete eine der positiven Bemerkungen.
Im Verglich zu Schülern einer anderen Schule stellten die "Science"-Schüler nach einem Jahr beachtliche Fähigkeiten unter beweis, fand Silke Klos in ihrer Untersuchung heraus. Die enge Verzahnung der drei Unterrichtsfächer  Chemie, Biologie und Physik verhindere, dass das Fachwissen isoliert und kaum auf den Alltag anwendbar bleibt.

(Bonner Generalanzeiger vom 07.09.2007 von Bernhard Berger)



Ein Raum zum Forschen und Entdecken

BORNHEIM. Neue Methoden für erfolgreiches Lehren und Lernen erprobt die Bornheimer Europaschule: Die Lehrer haben ein Konzept entwickelt, die Schüler in den naturwissenschaftlichen Fächern zum Forschen und Entdecken zu animieren; sie selbst übernehmen die Rollen von Moderatoren. Der Erfolg des Modellprojekts wurde in einer Dissertation der Universität Diusburg-Essen bestätigt. Mit Unterstützung dreier Firmen sowie der Deutschen Telekom Stiftung, des Fördervereins und der Stadt wurde ein Wissenschaftsraum so umgestaltet, dass das Konzept auch umgesetzt werden kann: Ein Lehrerpult gibt es hier nicht mehr. Bei der Einweihung lobte gestern Bornheims Bürgermeister Wolfgang Henseler die Schule: Engagement, Kreativität und Schaffensfreude haben hier ein dauerhaftes Zuhause gefunden." (Foto: Lothar Horney)

(Bonner Rundschau vom 07.09.2007)