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"Grenzen überwinden"

25. 11. 2004

Junge Leute aus Israel und Palästina
besuchten die Europaschule Bornheim

Zwei junge Leute Israel und aus dem besetzten Westjordanland besuchten am 25.11.2004 die Europaschule Bornheim. Sie arbeiten gemeinsam in der Initiative “Breaking Barriers” für einen dauerhaften Frieden im “Nahen Osten” Sie besuchen zur Zeit im Zusammenhang mit einem in Deutschland stattfindenden Seminar Schulen in NRW, um von ihren Erfahrungen zu berichten.

Beide erzählten zunächst sehr eindrücklich, wie wenig es einen friedlichen Alltag in beiden Gesellschaften gebe. So wies die junge Israelin (22) nicht nur auf die hohe Belastung durch den langen Militärdienst für Männer und Frauen hin, sondern stellt auch eindringlich dar, wie man in Israel in ständiger Furcht vor den Selbstmordattentätern lebe, sich etwa im Bus ständig umschauen müsse, ob etwas Verdächtiges zu sehen sei und dass ständige Sicherheitskontrollen in öffentliche Gebäuden und öffentlichen Verkehrsmitteln zur Routine werden. Auf der anderen Seite berichtete der junge Mann (28) aus Jericho wie ungemein hart das Leben der Palästinenser unter der israelischen Besatzung sei. Als Beispiel nannte er die zahlreichen “Checkpoints” in den besetzten Gebieten, an denen die Palästinenser häufig schikaniert würden, die Ausgangssperren in palästinensischen Ortschaften, die bis zu sieben Tagen dauern könnten und – ganz aktuell –die Auswirkungen des Baus der israelischen Sicherheitsmauer, die manchmal die Dörfer der Bauern von den Feldern trenne und eine Stadt so einschließe, dass sie nur über ein einziges Tor zu betreten sei.

Beide berichteten von dem großen Hass, der auf beiden Seiten herrsche und wie schwer es Stimmen, die für Versöhnung plädierten, hätten, gehört zu werden. Dennoch hätten sie sich entschlossen, mehr über die andere Seite erfahren zu wollen und für den Frieden zu arbeiten. Aber auch für sie sei dieser Schritt mit großen Ängsten behaftet gewesen. So hätten sie sich vor dem Seminar in Deutschland kaum vorstellen können, mit einem Israeli/Palästinenser unter einem Dach zu leben, gemeinsam zu essen oder gar zu feiern. Um so befreiender sei die Erfahrung gewesen, hinter dem Gesicht des Feindes ganz normale Menschen zu finden. Mit dieser Erfahrung kehren sie in ihre Heimat zurück, um weiter an ihrem schwierigen Projekt der Überbrückung der tiefen Gräben zwischen Israelis und Palästinensern zu arbeiten.

Für die anwesenden Schülerinnen und Schüler der Europaschule Bornheim war diese Veranstaltung nicht nur aufgrund der sehr authentischen Informationen, sondern auch wegen der unverkrampften und trotz der schwierigen Situation in Nahost positiven Lebenseinstellung der beiden jungen Leute sehr beeindruckend. Am Schluss der Veranstaltung brachten sie ihren Respekt deutlich zum Ausdruck

Nathalie Remchen