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Europaschule nimmt mehr Bornheimer auf

10. 03. 2007

 Europaschule Bornheim: Bei Eltern und Schülern beliebt

Proteste zahlreicher Eltern - Verfahren auf dem Prüfstand.

Bornheim. Mit sehr gemischten Gefühlen hatte Klaus Breil, Leiter der Bornheimer Europaschule, der Schulausschuss-Sitzung am Donnerstag entgegen gesehen: Die Proteste zahlreicher Eltern, für deren Kinder kein Platz an seiner Schule war, hatten alle Fraktionen auf den Plan gerufen und diese genau nach seiner Aufnahmepraxis fragen lassen.

So stellte Breil seiner ersten Wortmeldung zunächst eine kämpferische, persönliche Erklärung voran: Er habe mit seinen Kollegen im Anmeldeverfahren über 600 Vorgespräche geführt, jeweils zehn Minuten lang, und nicht nur Zeugnisse, sondern auch Gesichter der Kinder gesehen. "Da tut mir jedes Kind weh, dem ich eine Absage erteilen muss", so Breil über seine Schwierigkeiten.

Gleichzeitig sei das Interesse an der Europaschule seit ihrer Eröffnung kontinuierlich gestiegen, obwohl währenddessen in erreichbarer Nähe fünf neue, weiterführende Schulen entstanden. "Die Stadt Bornheim wollte eine Schule, die wirbt", so Breil zum großen Ansturm auswärtiger Schüler. Er müsse dabei laut Schulgesetz Kindern aus Gemeinden ohne eigene Gesamtschule wie Heimerzheim, Wesseling und Alfter die gleichen Rechte einräumen wie Bornheimer Kindern.

"Etwas anderes darf ich doch gar nicht", hielt Breil den Forderungen von Jürgen Hartmann (SPD), Willi Rüth (CDU) und Claus Böing (FDP) entgegen, das Gewicht zugunsten der Bornheimer zu verschieben. Rüth hatte skandiert: "Bornheimer Schulen für Bornheimer Kinder." Breil versprach, einen Anteil von 70 Prozent Kinder aus Bornheim "anzustreben", im Zweifelsfall müsse jedoch das Los entscheiden.

In dem Willen, den Wünschen der Bornheimer entgegenzukommen, nehme er bereits 30 statt der erforderlichen 28 Schüler pro Klasse auf, verteidigte sich Breil, bei der Auswahl lasse ihm das Schulgesetz jedoch keine Wahl. Hans-Martin Siebert (FDP) glaubte das nicht: Der Ermessensspielraum sei größer als Breil es darstelle.

Werner Framke (CDU) nahm Breil aus der Schusslinie: Vor 15 Jahren mussten noch fast alle Bornheimer Kinder auspendeln, um eine weiterführende Schule zu besuchen. "Wir sind nicht mit einer Großstadt vergleichbar." Bornheim habe aber bereits mit dem Ausbau seiner Schullandschaft einen "Mercedes" statt eines "Volkswagens" zur Verfügung gestellt, meinte sein Fraktionskollege Rüth.

Auch Bürgermeister Wolfgang Henseler richtete den Blick auf die Nachbarn Bornheims: Viele Eltern wollten ihren Kindern die Chancen einer Gesamtschule bieten, "da sind jetzt die Kommunen gefragt, die so ein Angebot nicht haben - zur Not auch mit Hilfe der Bezirksregierung", so Henseler. Schließlich hatte auch Bornheim erst auf Druck der Nachbarn und der Bezirksregierung das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium gebaut.

Einstimmig fiel dann schließlich das Votum aus, die Verwaltung mit der Suche nach Möglichkeiten zu beauftragen, Aufnahmeanträge aus Bornheimer Stadtgebiet bei gleicher Qualifikation bevorzugt zu berücksichtigen. Ein Vorwurf von Sechtems Grundschulleiter Ulrich Haus blieb übrigens unwidersprochen: Kinder mit Hauptschulempfehlung haben an der Europaschule gar keine Chance.

(General-Anzeiger-Bonn vom 10.03.2007)

 

 

Schüler dürfen nicht abgewiesen werden


Bornheim - Wirklich zufrieden schien kaum einer bei der Sitzung des Bornheimer Schulausschusses am Donnerstag. Vor allem nicht die anwesenden Eltern, die auf Antworten bezüglich des Aufnahmeverfahrens an den weiterführenden Schulen der Stadt gehofft hatten. An der Europaschule hatten sich insgesamt 512 Schüler angemeldet, 314 Nicht-Bornheimer. Aufgenommen wurden 180, 75 von ihnen kommen von außerhalb. "Bornheimer Schulen für Bornheimer Kinder", hatte CDU-Mann Wilhelm Rüth im Namen seiner Partei noch zu Beginn der Diskussion proklamiert. Die CDU, die Sozialdemokraten und die Grünen hatten für die Sitzung beantragt, dass die Zahlen, wie viele Bornheimer Schüler an weiterführenden Schulen der Stadt aufgenommen wurden, offengelegt werden. In letzter Zeit hatten sich verärgerte Eltern gemeldet, deren Kinder vor allem an der Europaschule keinen Platz bekommen hatten.

"Als die Europaschule 1989 ihren Betrieb aufgenommen hat, hatten wir 212 Anmeldungen", sagte Schulleiter Klaus Breil. Die Anmeldungen seien kontinuierlich gestiegen, obwohl in den umliegenden Städten neue Schulen gebaut wurden. Dass dennoch so viele Schüler von außerhalb an der Europaschule aufgenommen werden, hat einen einfachen Grund: das Schulgesetz. Breil: "In Paragraf 46, Absatz 5, heißt es ja, dass wir Schüler von außerhalb nicht abweisen dürfen, wenn sie in ihrer Gemeinde eine Schule der gewünschten Schulform nicht besuchen können." Vorwürfe, die Europaschule würde besonders auf einen sehr guten Notendurchschnitt bei der Aufnahme achten und nicht, woher die Schüler kommen, schmetterte Breil ebenfalls ab: "Ich kann doch nicht anders." Denn auch die Aufnahmequoten sind festgelegt. In die so genannte Leistungsklasse eins - die "leistungsstärkeren Schüler" - werden 60 Prozent aufgenommen. Die restlichen 40 Prozent machen die Leistungsklasse 2 aus. Gerade mit Blick darauf, dass offenbar immer mehr Eltern die Gesamtschule als Schulform für ihre Kinder bevorzugen, müsste mit den Nachbarkommunen gesprochen werden, wie das Problem gemeinsam zu lösen sei, sagte Bürgermeister Wolfgang Henseler. Vor 15 Jahren hat Bornheims Schullandschaft noch mager ausgesehen, gab Dr. Werner Framke, sachkundiger Bürger für die CDU, zu bedenken. "Bis dahin sind so viele Kinder in die Schulen der umliegenden Städte geschickt worden. Jetzt ist es Zeit, etwas von unserer Schuld abzutragen."

 

(Kölner Stadtanzeiger vom 10.03.07 von BRITTA HAVLICEK)