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Einkauf mit erschreckendem Ergebnis

18. 02. 2004

 

Europaschüler testen in Bornheimer Geschäften, wie leicht sie an Alkohol kommen können

BORNHEIM. Karneval. Jugendliche und Alkohol – das ist eine unendliche Geschichte. Wie lasch manche Einzelhändler auch im Stadtgebiet Bornheim das Jugendschutzgesetz nehmen, bewahrheitete sich gestern, als die Rundschau-Redaktion drei Schüler der zehnten Jahrgangsstufe der Europaschule beim Einkauf begleitete.
   Andre Bohnheio (16), Julia Lukomski (16) und Daria Flohr (15) wollten auch für ihre Schülerzeitung testen, wie schwer oder leicht es für Minderjährige ist, an Spirituosen und sogenannte “Alcopops”, die als moderne Einstiegsdroge gelten, ranzukommen.
   Mit dabei war auch die Schulsprecherin der Europaschule Anne Vohrmann (18). Das Ergebnis einer knapp eineinhalbstündigen Einkaufstour durch die Bornheimer Geschäftswelt haute dann aber auch sie um. Mit nur einer Ausnahme erhielten die Jugendlichen in allen fünf Geschäften genug alkoholhaltige Getränke, um sich tagelang außer Gefecht setzen zu können: Auch Apfelkorn, ein Wodka-Mixgetränk und Amaretto. Ihr Fazit: “Das ist schon ziemlich krass – insbesondere auch deswegen, weil anscheinend sämtliche Warnungen und Aufklärungskampagnen, die zurzeit durch die Medien gehen, von den Händlern ignoriert werden”. Anne Vohrmann hat den Eindruck, dass solange der Umsatz stimmt, den Händlern alles andere völlig egal ist. Das würden auch Berichte in den Zeitungen nicht ändern. Von anderen Ländern etwa England, wissen die Schüler, dass die Kontrollen häufiger, die Gesetze strenger und die Strafen härter sind. Dass Andre nur in einem Fall, Julia und Daria jedoch überhaubt nicht nach ihren Personalausweisen gefragt wurden fanden auch die Jugendlichen merkwürdig .
   Andre hat sich schon seine Gedanken darüber gemacht, wie dem Alkohol- und Zigarettenkauf von Jugendlichen beizukommen ist. Es müsste eine Einkaufskarte, ähnlich wie eine EC-Karte gefertigt werden,  wo Daten wie Name und Alter des Heranwachsenen gespeichert sind. “Kaufen dürfte dann nur der jenige, der an der Kasse seine Karte einlesen lässt”, so Andre.
   Mehr als einmal wird inbesondere in der Karnevalszeit das Thema Alkohol im Unterricht der Europaschule angesprochen. “Unser Ansatz ist es, den Schülern die gesundheitlichen Auswirkungen des Alkoholkonsums aufzuzeigen - ihnen zu vermitteln, dass auch Alkohol eine Droge ist”, so Schulleiter Klaus Breil auf Anfrage. Konfrontiert mit dem Testergebnis sagt er: “Es ist erschreckend, dass die Verkäufer so gewissenlos sind”.
   Auch Bürgermeister Wilfried Henseler war spürbar erschrocken, als er vom Ergebnis des Testskauf erfuhr. “Ich finde das ungeheuerlich”, lautet sein Urteil. Um alle Geschäftsleute zu erreichen, müsse noch sehr viel getan werden. Davon ist auch Bernhart Spinnrock, Leiter der Bornheimer Polizeiwache überzeugt. Nur mit dem Schritt in die Öffentlichkeit, könne man die Erwachsenen wachrütteln und sie für das Thema sensibilisieren. Deswegen sieht er auch in Aufklärungskampagnen, mit denen Jugendliche vom Kauf und Konsum alkoholischer Getränke abgehalten werden sollen, eine große Chance, die Erwachsene zu erreichen. Er wisse sehr wohl, dass die Jugend da eine ganz andere Zielsetzung habe. “Das Jugendschutzgesetz richtet sich aber an Erwachsene”, erklärte er. Er würde die jungen Leute ja gar nicht kontrollieren müssen, wenn er wüsste, dass sich alle Erwachsenen auch daran halten würden.

(Bonner Rundschau vom 18.02.2004 von Margret Klose/Marcus Bierlein)